Samstag, 3. Mai 2014

This is the South Island

Früh Morgens quälte ich mich aus den Federn, um irgendwie zum Terminal der Interislander Ferries zu gelangen. Ich suchte mir eine Busverbindung, den Rest lief ich zu Fuß. Das klappte alles besser als erwartet und so checkte ich überpünktlich, backpackeruntypisch, ein und wartete bis sich die Pforten öffnen würden. Das geschah in etwa 40 Minuten später. Es war lustig, der Zugang zum Schiff ging vom Eingangsgebäude so nahtlos über, dass ich gar nicht bemerkte schon über dem Wasser zu gehen. In der Tat war die Ferry riesig, kaum zu glauben, dass das ein Schiff sein soll. Die MV Kaitaki misst fast 182 Meter und befördert täglich auf ihren 10 Decks bis zu 600 Autos und 1650 Passagiere von Wellington nach Picton. 
3 Stunden später stand ich wieder mit beiden Beinen auf festem Boden - Willkommen auf der Südinsel, hallo Picton.
Da stand ich nun, finally, aber was nun? Ich entschied mich bis nach Blenheim zu trampen. Hier hatte ich schon viel schönes von gehört. 30 Minuten wartete ich bis mich ein netter Geschäftsmann einsammelte und nach Picton brachte. Er bot mir sogar einen Job an, den ich aus Zeitgründen leider nicht annehmen konnte! In angekommen hörte ich meinen Magen knurren und so beschloss ich ganz schnell im nächsten Backpackers einzuchecken, mich danach auf mein Longboard zu schwingen und etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Auf dem Weg zum Supermarkt schaute ich mir ein wenig die Stadt an. Hier gefiel es mir. Blenheim selbst und die ganze Gegend der Marlborough Sounds ist bekannt für seine vielen Weingüter und guten Tropfen. 
Im Hostel lernte ich David kennen, der am nächsten Tag, genau wie ich, nach Nelson trampen wollte, also taten wir uns zusammen. Ein Mitarbeiter des Hostels gab uns einen lift zu einem guten Spot.
es hätte uns schlechter treffen können! :)

Zuerst hatten wir nicht so viel Glück, es dauerte locker 1,5h bis uns jemand mitnahm. Aber dann ging es strickt durch nach Nelson, ab wo ich wieder alleine weiterzog. Ich organisierte mir eine Couch, musste jedoch bis abends warten und so erkundete ich ein wenig die Umgebung und versuchte so viel herbstliche Sonnenwärme wie möglich zu tanken, bevor sie von der abendlichen Kälte überwältigt wurde. Um nicht zu frieren, verkroch ich mich für ein paar Stunden im Supermarkt, bis Chris mich abholte und in mein neues Kurzzeitzuhause brachte. Damit meine ich ein Haus in dunkelgrüner Farbe und viel Holzverkleidung, und Weinreben, die ein paar Wände zierte, wunderschön! Draußen gab es noch einige andere Gebäude. Was sich darin verbarg zeigte Chris mir dann. Werkstätten, uralte, wunderschöne Autos, Cadillacs und Motorräder, darunter eine Harley Davidson von aller feinster Sorte. Ich war sprachlos. Chris war so in seinem Element mir alles zu zeigen, dass er das Spülwasser in der Küche komplett vergas, das ungehindert fröhlich vor sich hinplätscherte und das halbe Haus unter Wasser setzte! :D 
Hier lebt also Chris, er und seine beiden Schäferhunde, sowie eine schmusrige Katze. Den Abend saßen wir zusammen und überlegten, was man am nächsten Tag machen könnte. Mit Metallica im Ohr und einem alten Atlas vor Augen entschieden wir uns einen Freund von ihm zu besuchen, der direkt an einem Fluß wohnt und ein Jet Boat hat. Na dann los!
Nach einem guten Frühstück fuhren wir 1,5h in die Nähe von Westport. Das Wetter war auf unserer Seite als wir ankamen und Punga uns begrüßte. Punga ist ein älterer Herr, Großvater, der hier draußen am Fluß lebt, alleinr und im Einklang mit sich selbst. Er erinnerte mich ein wenig an die Gestalt des Alm-Öhi, nur etwas kleiner. Sein Haus hat er komplett selbst gebaut. Ein cooles, sehr außergewöhnliches Häuschen! Bevor es aufs Wasser ging, wollte ich noch schnell auf Toilette, als ich jedoch danach fragte fingen Chris und Punga herzlichst an zu grinsen. Warum ist das so komisch? Punga zeigte mit dem Finger aus dem Fenster auf eine Blechhütte. Mh, na gut, was solls. Ich lief also hin und stellte mich auf eine normale Outdoor-Toilette ein, was mir aber erwartete, war etwas mehr als verrücktes.
Sieht zunächst noch ganz nett aus, wenn man die Tatsache vergessen könnte, dass das Ding hier eine Tür hat! Ja, ganz recht. Man schaut direkt auf den Highway! :D Das kann nicht sein ernst sein?! Ich zögerte kurz, dann war es mir egal. Kein Toilettengang zuvor war so abendteuerlich wie dieser! 
:D

Bereits belustigt ging es nun raus zum Bootfahren. Mit voller Ausrüstung legten wir das Boot in's Wasser und sofort ging es mit Vollspeed los. Da wurde das Müsli vom Frühstück einmal schön durchgeschüttelt! Aber es machte riiiesigen Spaß! Mein Actionbarrometer wurde mit Adrenalin gefühlt und stieg in's Unermessliche, sodass mir nach kurzer Zeit die Wangen nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Spannung vom vielen Lachen schmerzten. Als ich der Spaß wäre vorbei, fing er erst richtig an. "Du weißt doch, wie man Auto fährt, oder?!" Mit diesem Satz stand Punga vom Fahrersitz auf und forderte einen Platzwechsel. Wie jetzt, ICH soll fahren? Im Ernst? Also gut! :) Es war überragend! Wunderschöne Landschaft, Sonnenschein und jede Menge Spaß, so stelle ich mir einen gelungenen Tag vor. Zum Aufwärmen gab es Tee und Gebäck, anschließend ein warmes Abendessen am Karmin. Danach ging es zurück nach Hause, Kraft tanken für den kommenden Tag. 

der Blick vom Fluß auf Pungas Haus&Land
Chris und ich
Vollgas!!!

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