Mittwoch, 23. April 2014

Familie Mades - 3/4 reunited

Mit Sack und Pack kam ich im
Hotel Copthorne an, ein riesiger Klotz Gebäude direkt am Hafen. Irgendwie musste ich schon lachen, ich kleiner Backpacker mit dreimillionen Taschen und einem Skateboard unter dem Arm darf ab heute in einem Hotel wohnen. Da ich meine Eltern am Flughafen abholen wollte, lagerte ich mein Gepäck ein und machte mich bei strahlendem Sonnenschein auf meinen 4 Rollen auf den Weg zum Flughafen. Plötzlich wurde es dunkel, Regenwolken türmten sich auf und es begann schlagartig wie aus Eimern zu gießen. Ich wurde gleich 2 Mal monsunartig geduscht, meine Klamotten waren so nass, als hätte ich sie soeben ohne Schleudergang aus der Waschmaschine geholt. Am Flughafen kam ich zwar an, jedoch, aus Gründen des Wetterumschwungs, 40 Minuten zu spät. Laut Anzeigetafel war die Maschine planmäßig gelandet, ich hatte sie wohl tatsächlich verpasst. Da mein Erscheinen am Flughafen eine Überraschung sein sollte, denn eigentlich wollten wir uns erst am Hotel treffen, haben sie wohl auch kaum auf mich gewartet. Einen Funken Hoffnung hatte ich noch und so wartete ich eine halbe Stunde. Dann wurde mir klar, dass weiteres Warten keinen Sinn machen würde, also kaufte ich mir ein Ticket für den Shuttlebus zurück in die Stadt. Nach einer Stunde kam ich am Hotel an, meine Eltern hatten aber noch nicht eingecheckt. Wie konnte das denn sein? Ich hatte die Beiden doch verpasst, dann müssten sie doch nun schon längst hier sein? Das kam mir sehr komisch vor. Per Handy konnte ich sie auch nicht erreichen, also beschloss ich mir ein sonniges Plätzchen zu suchen, denn der Regenschauer war nun natürlich vorbeigezogen, und ließ mich von der Sonne trocknen, denn ich war noch patschnass und sah aus wie ein begossener Pudel. Eine Bank direkt am Hafen schien mir sehr geeignet. Die Zeit verstrich...Ich fragte mich, wie ich die Beiden finden sollte. 
Nach einer guten Stunde tippte mir plötzlich jemand auf die Schulter, ich wusste sofort was Sache war: DA SIND SIE! Meine Eltern, nach 7 Monaten sahen wir uns am anderen Ende der Welt wieder und es war ein verdammt gutes Gefühl! Ein paar feste Umarmungen später liefen wir im Zum Hotel. Ein Zimmer mit 4 Betten, jede Menge Platz und Blick direkt auf's Meer, ich war überwältigt! Nachdem wir uns alle ein wenig erfrischt hatten, schlenderten wir in der Stadt herum und suchten uns ein Restaurant. Auch das überforderte mich. Ein Restaurant, sogar ein sehr gutes! Hier ließen wir es uns richtig schmeckten und es gab so viel zu erzählen. Abends fielen wir müde und zufrieden in's Bett. Am Morgen darauf hatten wir ein super gutes Frühstück in einem kleinen süßen Café und liefen zur ferry, um nach Waiheke Island zu fahren. Dies war eine Empfehlung von den Jungs aus dem Chateau Le Orakei, sie sollten Recht behalten! Die 40-minütige Fahrt mit der Fähre war schon wunderschön, wir hatten tolles Wetter! Auf der Insel angekommen, entschieden wir ein Stück zu Fuß zu gehen und genossen wahnsinnig schöne Ausblicke auf die Küste, es war traumhaft! Alles war so unglaublich grün, türkisfarbenes Wasser, um uns herum Segelboote und Möwen, die ihre Bahnen am blauen Himmel zogen. Palmen, Tannen, Olivenbäume, Weinreben, Kakteen, alles wuchs durcheinander, es war kaum zu glauben! 



Nach ein paar Stunden entschieden wir den Heimweg anzutreten, verpassten die Fähre jedoch haarscharf um ein paar Minuten und mussten über 1 Stunde warten. Doof dachten wir erst, im Endeffekt war es das Beste was passieren konnte, denn in dieser Stunde ging die Sonne unter und als wir im Hafen einliefen war der Himmel bereits tiefschwarz und die Skyline der Stadt funkelte und glitzerte in allen Farben in der dunklen Nacht.
Wir gingen noch rasch einen kleinen Proviant einkaufen und lenkten dann in die Brauereikneipe Shakespeare ein, in der wir etwas tranken und guter Livemusik lauschten.
Den zweiten Tag starteten wir früh, heute würde unser Roadtrip beginnen. Papa und ich holten unseren Mietwagen ab und tauften es auf den Namen Sunny! :) Wir luden Mama und Gepäck am Hotel ein, dann konnte es losgehen. Erstes Ziel war Paihia. Papa fuhr zum ersten Mal auf der linken Seite. Nach ein paar Eingewöhnungsminuten klappte das schon ganz gut. Knapp 3 Stunden später kamen wir an und checkten in ein 1A Apartment mit Sonnenterrasse ein.
Am Strand, der nur 2 Minuten entfernt war, blickten wir auf die Inselchen die hier so ruhig im Wasser lagen, ein toller Anblick! Abends gab es backpackermäßig Nudeln mit Tomatensoße und ein bisschen neuseeländisches Fernsehen. Am nächsten Tag erforschten wir das gegenüberliegende alte Hafenstädtchen Russel, das man mit der Fähre gut erreichen kann. Es ist nicht sonderlich groß, dennoch sehr sehenswert mit all den kleinen Läden und seinen Geschichten. Am Strand fanden wir ein Schild mit Verhaltensregeln im Falle eines Tsunamis. Naja, das werden wir heute wohl kaum erleben.
Wir frühstückten gerade auf einer Holzbank, als auf einmal die Tsunami-Sirene ertönte. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Es war unheimlich, laut und der Ton gruselig, wie aus einem uralten Horrorstreifen. Hunde fingen an zu bellen und jaulen, uns wurde ein wenig mulmig! Nach einigen Minuten war der Spuck vorbei, wir wissen bis heute nicht was da los war, entschlossen uns aber zeitnahe weiterzuziehen, schließlich hatten wir ohnehin noch eine recht weite Strecke bis nach Whitianga, Coromandel vor uns. Auf dem Weg hielten wir in Kawakawa und bewunderten die Hundertwasser-Toiletten.

Danach ging es zurück auf die Straße, Stunde um Stunde. Desto dunkler es wurde, desto ekliger wurde das Wetter und auch die Straße. Wir fuhren im strömenden Regen und Gewitter durch Bergpässe, Serpentinen, auf und ab, kaum jemand war jetzt noch auf der Straße unterwegs. Eine Ewigkeit später kamen wir endlich an unser Apartment in Whitianga an. Hier war bereits überall tote Hose. Da wir Hunger hatten, versuchten wir noch irgendwo etwas Essbares aufzutreiben. Jedoch hatte nur noch ein Späti geöffnet, der dazu auch noch superteuer war. Also gab es Käsebrot. 
Im Apartment nahmen wir uns die Planung der folgenden Tage vor und gingen dann bald zu Bett. Ich hatte ein Einzelzimmer und da fiel es mir zum ersten Mal auf: Ich kann gar nicht mehr alleine in einem Zimmer schlafen! Das hatte ich seit über 7 Monaten nicht getan und ich fühlte mich irgendwie eingeengt und alleine. Verrückt, oder? Ich musste die Tür weit offen lassen um schlafen zu können. Nächstes Ziel war der Hot Water Beach. Ich stellte mir darunter nicht wirklich viel vor, aber es war eine Empfehlung des Reiseführers. Wahrscheinlich würde das Meerwasser hier einfach ein wenig wärmer sein als anderswo, ich las mir die Beschreibung zu diesem Touristenmagnet nicht durch. Am Strand zogen wir unsere Schuhe aus und pulten mit den Zehen im Sand herum. Erst waren wir uns nicht sicher, ob wir uns das nur einbildeten, aber der Sand war trotz Schmuddelwetter tatsächlich angenehm warm. Plötzlich traten wir auf Stellen die wirklich mehr als warm waren, sie waren richtig heiß! Menschen gruben Pools um diese heißen Stellen und ließen Meerwasser hineinlaufen. Unglaublich, es klappte wirklich! Da lagen sie in Scharren drin. Einige hatten ganz rote Haut, weil es so heiß wurde. Ja, uns qualmten im wahrsten Sinne des Wortes die Socken. Der unterirdische 2ks lange Magmarbrocken schmorrt bereits 9 Millionen Jahre unter der Erde, ist jedoch noch so heiß, dass er diese Hitze nach oben abgibt.

Wir hätten uns hier ewig aufhalten können, aber wir mussten weiter. Nach fish'n chips, Besichtigung einer alten Goldmine und einigen schönen Ausblicken auf die Küste erreichten wir Rotorua. Wir bemerkten sofort den eigenartigen Geruch und den Dampf, der überall empor stieg. Heute hatten wir wieder Glück, das Apartment war erste Sahne! Groß, geräumig, sogar mit eigenem Pool, dessen Wasser durch geothermische Aktivitäten erhitzt wird. Wir kochten etwas Leckeres und entspannten danach im Hot Tub bei einem Gläschen Wein.
Eigentlich hatten wir für den Folgetag ein bisschen Programm geplant, das fiel aber wegen des schlechten Wetters in's Wasser. Wir beschlossen uns stattdessen das Bathhouse Museum anzuschauen und lernten gleichzeitig etwas über Volkane und die Maorikultur. Anschließend bummelten wir ein wenig durch das Städtchen, kauften ein und kochten uns Abends ein super Dinner: Lammfilet auf Reis mit frischen Lauchzwiebeln, mhhh! Mein Backpackerherz strahlte, ein Gaumenschmaus! Gut gesättigt genossen wir einen weiteren Abend im Hot Tub und tankten Kraft für den nächsten Tag. 
Leider war das Wetter immer noch schlecht, wir entschieden uns zurück nach Auckland zu fahren und ein paar Zwischenstops einzulegen. Erster war Hobbiton, das Movie Set von Herr der Ringe! :) Trotz Regen und Sturm hatte es sich wirklich gelohnt! Es war toll all die Drehorte zu sehen und hinter die Kulissen zu blicken, außerdem war es landschaftlich wunderschön hier. Die geführte Tour endete in der Taverne, in der wir zwischen echtem und Gingerbier wählen konnten, das ging selbstverständlich auf's Haus! :) Am Karmin wachte Peacles, eine Katze, es war urgemütlich und kuschelig warm. Blöderweise habe ich wegen des vielen Regens keine Fotos geschossen, ihr wisst ja, das mein Handy sich mit Wasser nicht gut verträgt! ;) 
Nächster Halt war Hamilton. Hier schauten wir uns die bekannte Riff Raff Statue an, die am Geburtsort von Richard O'Brien's Rocky Horror Picture Show steht. 
Einen Time Wrap später tuckerten wir mit Sunny zurück nach Auckland. Dort kehrten wir noch einmal im Shakespeare ein und ließen die letzten Tage Revue passieren. Nur noch 1 Tag, dann würde ich wieder alleine reisen, oh oh! 
Karfreitag, unser letzter Tag. Viele Geschäfte hatten heute geschlossen, also erkundeten wir noch einmal den Hafen, die hunderten Segelboote und den fish market. Glücklicherweise war das Wetter heute wieder viel besser. Abends packten wir wild hin und her, bis alles verstaut war und liefen noch einmal, zum letzten Mal, zusammen in die Stadt.
Und Samstag war es dann auch schon soweit, wieder einmal musste ich mich verabschieden. Und diesmal fiel es wirklich schwer, sogar ein paar Tränchen kullerten. Für meine Eltern ging es gleich zum Flughafen und weiter nach Sydney, für mich fuhr der Bus ab nach Turangi.

DANKE FÜR EINE TOLLE WOCHE MEINE LIEBEN und VIEL SPAß IN AUSTRALIEN!

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