Nunja, am Donnerstagmorgen checkte ich aus meinem Hostel aus, fest entschlossen meine erste Tour in den Norden zu starten - zu trampen. Ich kaufte noch schnell Proviant und wurde bereits im Supermarkt von Richard angesprochen. Ein älterer Herr, sehr aufgeschlossen und neugierig auf meine Geschichte. Er beschloss mir einen lift an eine gute Stelle Richtung Motorway zu geben, steckte mir seine Karte zu und bestand darauf, dass ich mich melden solle, falls ich Probleme haben sollte. Na, das klappt doch wie geschmiert! So nun stand ich dort am Straßenrand. Leider spielte das Wetter nicht mit, es goss aus Kübeln! Ein Glück kam ich schnell an meine Regenjacke ran! Ich war morz aufgeregt, zum ersten Mal Trampen, ganz alleine! Und wohin wusste ich auch nicht wirklich. Um überhaupt einmal eine Richtung zu haben, suchte ich mir die nächste größere Stadt auf der Karte heraus: Whangarei. Ich stellte mich an den Rand der gut befahrenen Straße, es herrschte reges Chaos, die Autos stauten sich. Gut für mich! So war es für denjenigen, der mich mitnehmen wollte, einfacher anzuhalten. Derjenige war dann Richard, ja genau, noch ein Richard. Familienvater, arbeitet für Moonbar und war sehr besorgt um mich. Zwar versicherte er mir, dass ich bei ihm in guten Händen sei, ich aber auf hitch hiking, vor allem in der Gegend überhalb von Auckland, verzichten solle, es wäre viel zu gefährlich! Schon gar alleine als junges Mädchen. Dann stockte er und überlegte lange hin und her. Er meinte, er müsse noch ein paar kleine Jobs erledigen, danach würde er eine Lösung für mich finden. Erst wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, aber im Auto war es warm und trocken, also blieb ich sitzen. Während er geschäftliches erledigte, durfte ich einen Moonbar (Müsliriegel) probieren und, OH MEIN GOTT, die sind ja so verdammt lecker! :) Als wir weiterfuhren, unterhielten wir uns über meinen Bildungsweg und Rick meinte, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, sollte ich doch bei Moonbar einsteigen und den Vertrieb in Europa übernehmen! :D Guter Plan! Wir unterhielten uns über so viele Dinge, Gott und die Welt, Politik, Religion, Lebensweisheiten...Eine Weile später hielt er vor seinem Haus an, erledigte ein paar Dinge, ich sah seine zuckersüße 7 Monate alte Tochter. Als er wieder ins Auto einstieg hatte er die Idee, von der er nicht mehr abwich. Rick wollte mir ein Busticket kaufen. Nein. Nein, also wirklich nicht! Das kann ich unmöglich annehmen! Niemals. Er fuhr zum Bus Terminal und nahm mich mit in's Büro, um sich dort über Angebote und Routen schlau zu machen. Während er sich mit der Dame am Schalter unterhielt und beraten ließ, stand ich hippelig daneben, steppte von einem Fuß auf den anderen und überlegte, wie ich aus der Situation wieder herauskommen würde! Mir war das alles super unangenehm und bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte er bereits gekauft: Einen 5er Flexi-Pass, mit dem ich 5 Strecken meiner Wahl mit einem CityLiner zurücklegen konnte. Ist er wahnsinnig????! Was Rick dafür bezahlt hat verschweige ich lieber! Natürlich sah er mir an, dass ich mich damit unwohl fühlte, aber er bestand darauf, dass ich den Pass annahm. Nun gut, gekauft war er sowieso schon, also nahm ich das Geschenk widerwillen an, obwohl ich damit komplett überfordert war. Am nächsten Tag konnte ich dann also mit dem Bus hinfahren, wohin ich wollte, ich musste nur noch eine Nacht überbrücken. Rick fragte, ob ich das schaffen würde, ob ich einen Schlafplatz hätte. Ich versicherte ihm, dass ich bei einem meiner hosts unterkommen könne, auch wenn ich das noch gar nicht sicher wusste. Egal! Ich wollte ihm nicht noch mehr Grund dazu geben, sich um mich kümmern zu müssen, auch wenn er das gerne tat. Ich bedankte mich so oft und so gut es ging und verabschiedete mich. Als ob das nicht genug sei, drückte er mir außerdem noch seine Karte in die Hand und einen Briefumschlag. Ich konnte es nicht fassen! Aber er bestand darauf ihn ebenfalls anzunehmen, keine Widerrede! Baff, verwundert und komplett gaga blieb ich zurück, sah seinem Auto nach, bis es im Verkehr verschwand und brauchte ein paar Minuten, um den Moment zu realisieren. Was war da gerade passiert? Und wo bleibe ich heute Nacht? Ich habe mir geschworen den Inhalt dieses Briefumschlages nicht anzurühren! Dagegen beschäftigte ich mich fieberhaft mit dem Gedanken, wie ich mich erkenntlich zeigen und mich revanchieren könnte!
Mein erstes Ziel war nun Peter Pans, die Travel Agency, wo ich free WiFi nutzen konnte. So setzte ich mich mit Jamie in Vetbindung, der eine Couch zu vergeben hatte. Ein paar Minuten später hatte ich seine Zusage und machte mich auf den Weg zu seinem Haus - Chateau Le Orakei (die Übersetzung spare ich mir! ;) )
Dort angekommen traf ich nicht ihn, dafür aber 2 deutsche Pärchen, 2 Engländer, 2 Slowenen und eine Philippinnin an. Na hier war ja was los! :) Wie ich später erfuhr, lässt Jamie all diese Leute unterschiedlich lange, bzw. so lange wie sie wollen, bei sich wohnen. Im Endeffekt kam ich auf 14 Leute aus aller Welt, die zusammen in einem mega coolen Haus, 2 davon in einem Baumhaus im Garten wohnen. Mir gefiel es hier! Plötzlich kam einer der Engländer mit einer Tupperdose in die Küche und präsentierte uns seinen Fang, den er im Garten gemacht hatte. Eine Spinne der Kategorie White Tail Spider, nicht tödlich, dennoch sehr giftig. Mh, okay...Ich tue jetzt mal so, als hätte ich das nicht gehört! Er packte das Tierchen in Größe eines Tischtennisballes in den Kühlschrank, warum auch immer...
Den restlichen Abend unterhielt ich mich mit den anderen Bewohnern, skypte eine Runde nach Deutschland und fiel später todmüde, aber glücklich in's Bett.
Am nächsten Tag fuhr ich zurück in die Stadt und buchte mich für den Bus nach Whangarei ein. Solange ich auf diesen wartete, buchte ich mir außerdem ein Hostelzimmer für den Abend.
Als in in Whangarei ankam, wurde ich vom Besitzer des Hostels abgeholt. Danach checkte er mich ein und zeigte alles. Er und seine Frau sind wirklich zu lieb! Da ich mir am nächsten Tag ein wenig etwas anschauen und danach direkt den nächsten Bus nach Paihia nehmen wollte, bot er mir an mein Gepäck morgens in die Stadt zu bringen, sodass ich mich frei bewegen konnte. Top! In meinem Zimmer hatte ich 2 Deutsche, Corinna, die mich aus Peter Pans aus Auckland wiedererkannte, und Lars, außerdem eine Engländerin, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, shame on me! Lars schenkte mir sein übergebliebenes Abendessen, Nudeln mit leckerster Hackfleischsoße! Meine Augen müssen gefunkelt haben, ich war mega happy über warmes Essen! Im Gegenzug übernahm ich den Abwasch und spendierte ein paar Kekse. Danach saßen wir draußen, Lars, Corinna und noch 2 Kumpels von Lars, Marc und Mike, die er hier kennengelernt hatte, und spielten Kniffel bei einem Bierchen und einem Glas Wein. Es war mega entspannt und lustig, auch wenn ich unglaublich fror, trotz Fleece- und Regenjacke. In der Nacht kuschelte ich mich in's warme Bett mit Schlafsack, 2 Decken und Kissen, es war herrlich! Heute Morgen checkten wir alle aus, Marc und Mike machten sich zurück nach Auckland, Corinna hatte einen Tauchkurs gebucht, sie treffe ich in Auckland wieder, überließen mir freundlicherweise ihr gutes Zelt, womit ich super glücklich war (DANKE NOCHMAL!!! Ihr könnt es euch wirklich gerne im Sommer abholen kommen ;-P), Lars machte sich, wie auch ich, auf in Richtung Norden und die Engländerin wusste noch nicht so genau wohin mit sich. Ich schnallte mir meinen kleinen Rucksack um und startete meine Route zu den Wasserfällen und danach weiter in die Stadt. Bei der Gelegenheit wollte ich gleich und endlich einmal meine brandneuen Wanderschuhe, die ich jetzt 7 Monate mit mir herumgetragen hatte, einlaufen. Blöd nur, dass ich nur noch einen Socken hatte! Ihr könnt euch kaum vorstellen wie unangenehm das Wandern so war! Nie wieder, das habe ich mir geschworen! Typisch Backpacker...Trotz allem war der walk richtig schön, alles grün, viel Wasser, sehr beruhigend.
Mit wunden Füßen kam ich 3 Stunden später in der Stadt an, holte mein Gepäck ab und schleppte mich zum Bus, der mich in weniger als 2 Stunden in's wunderschöne Paihia brachte. Es ist wirklich ein Traum! Warm, eine kleine Küstenstadt voll mit jungen Leuten, Cafés und Hostels, Strand, Meer, Inseln und Booten. Ich lernte Marion kennen und folgte ihr in ein Hostel, wo ich glücklicherweise noch ein Bett für die Nacht bekam. Das Hostel ist wahnsinnig schön, etwas verwinkelt, man hat das Gefühl immer noch einen neuen Raum zu entdecken. Marion und ich schlenderten in der abendlichen Sonne durch die Stadt, besorgten etwas zu Essen, sahen die Sonne hinter den Bergen untergehen, während sich das bunte Licht im Meer spiegelte und kehrten zurück im Hostel ein, bevor es draußen frisch wurde. Wieder hier angekommen, verlängerte ich meinen Hostelaufenthalt direkt um eine weitere Nacht. Morgen schaue ich mir mit Marian die Wasserfälle an und werde danach faul am Strand liegen! Vielleicht kommt Lars, der gerade im 15-Minuten entfernten Russel ist, mal vorbei. Ich bin gespannt, was der Norden hier noch so zu bieten hat!






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