Sonntag, 13. April 2014

Daumen raus 👍

Wir standen keine 5 Minuten am Straßenrand, da hielt ein alter Hippiebus, darin saß ein etwas zahnloser, grauhaariger Zeitgenosse, er bot an uns zu einem besseren Spot zu fahren. Das Angebot nahmen wir natürlich gerne an. Und dann ging es los: Paihia nach Kerikeri, Kerikeri nach Mangonui, wobei uns der nette alte Herr, der uns mitnahm, auf Fish&Chips einlud, weiter nach Taipa, von dort mit einem Inder bis zu einer Straßengabelung und zum Schluß mit einem superlustigen Maori bis nach Pukenui, unsere Endstation für diesen Tag. Ich muss sagen, das klappte sehr gut, besser als erwartet!
In Pukenui gab es nicht viel, wir suchten uns das einzige Backpacker's und checkten bei John ein. Er und seine Frau vermieten ein paar kleine Zimmer an arme Backpacker wie uns. Da mir ein Zimmer jedoch zu teuer war, fragte ich nach einem Zeltplatz, schließlich war ich ja nun im Besitz eines nonplusultra-Zeltes! "Such dir einen schönen Platz im Garten, dort ist eine Menge Platz für dich und dein Zelt." :) Alles klar! 
Zum Glück bekam ich etwas Unterstützung von Lars. Es ist ja nicht so, dass ich im Zeltaufbauen nicht erprobt bin, jedoch scheiterte es fast an der Neumodischkeit dieses Funktionswunders. "Neumodische Fetz" würden wir zu Hause in Rhoihesse sagen. Nachdem das Ding aufgestellt und eingerichtet war, liefen wir runter zum Strand. Ein Strand vor der Haustür, nicht schlecht! Wir machten uns, wie ich es ja eigentlich immer tue, einen gemütlichen Abend mit Tee und Fernsehen auf der Couch. 
Nach einer recht kühlen Nacht im Zelt starteten wir am nächsten Morgen ganz früh los, um an's Cape zu trampen. Leider war auf dem Highway nicht viel los. Ohnehin stellte ich mir unter Highway etwas anderes vor. Tatsächlich war es eine einfache Straße, vergleichbar mit einer Landstraße in Deutschland, auf der mehr Kühe und Rinder als Autos unterwegs waren. 
Es dauerte über 1 Stunde, bis wir mitgenommen wurden. Von dem Franzosenpaar, das die letzte Nacht auch im gleichen Hostel übernachtet hatte. Hätten wir das mal früher gewusst, hätten wir uns nicht in den Nieselregen gestellt. 
Ihr Auto war sehr klein, der Kofferraum bereits komplett ausgefüllt mit Koffern und Taschen. Wir hatten also keine Wahl und packten uns und unsere Backpacks auf die Rücksitzbank. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie wir versuchten wie 2 Gummimännchen unsere Taschen und all unsere Gliedmaßen zu verstauen. Meine Nase drückte sich platt an meinem Rucksack, der sich in mein Gesicht presste, ich konnte nichts sehen und so fuhren wir eine Weile, bis wir Cape Reinga erreichten. Trotz grauer Wolken und kühlem Wind hatte es sich sehr gelohnt herzukommen! Wir liefen runter zum Lighthouse und hatten einen sagenhaften Blick auf die Küste und das Meer. 





Kurt immer mit von der Partie
Als wir uns sattgesehen hatten, frühstückten wir, bevor wir uns wieder an den Straßenrand stellten, um eine Mitfahrgelegenheit zu finden.
Da wir so gar kein Glück hatten, sprach ich 2 rocker chics an. Sie nahmen uns gerne mit, das wollten wir hören! Auf dem Weg zurück nach unten schauten wir uns noch den Coca Cola Lake an, der tatsächlich aussah wie das süße Gesöffs, schmeckte jedoch nicht danach, wie Lars feststellte! :D 

Wenig später kamen wir in Kaitaia an, wo die Mädels uns absetzten. Ausgehungert wie wir waren, liefen wir zum nächsten Supermarkt, der allerdings gute 40 Minuten Fußmarsch entfernt war. Mit all meinem Gepäck raubte mir der Marsch die letzte Kraft und ich war so froh als wir endlich ankamen. Im Supermarkt sprachen wir zwei Backpacker an, in der Hoffnung, dass wir ein Stück mit ihnen fahren könnten. Sie konnten uns zwar keinen lift geben, brachten uns aber zum Ortsausgang, hier hatten wir größere Chancen vom Fleck zu kommen. Jedoch standen wir uns hier die Beine in den Bauch, keiner hielt an. Bis Diana an uns vorbeifuhr und scharf bremste. Sie erklärte uns, dass wir um die Uhrzeit, es war kurz nach 17 Uhr, nicht mehr trampen sollten, es sei viel zu gefährlich und werde ruckzuck dunkel. Schneller als wir gucken konnten lag unser Gepäck in ihrem Auto und sie fuhr uns zu ihrem Haus, mitten im Nichts, umgeben von einem riesigen Stück Land mit grasenden Kühen, wo wir bis zum nächsten Tag bleiben sollten. Diana war super gastfreundlich, etwas verrückt aber total liebenswert. "Call me di, cause that's what will happen to you if you annoy me!" Sie scherzte eine Menge. Di ist Witwe, ihr Mann wurde vor 11 Jahren von ihrem Cousin ermordet, erzählte sie mir währenddessen wir das Bett bezogen. Seitdem lebt sie mit ihrer Hündin Molly, die sie vor Jahren als Welpen, mehr tot als lebendig, am Straßenrand fand, und ihrem Enkel Brandon, den sie ihrer Tochter wegnahm, nachdem ihr zweiter Schwiegersohn ihn mit einem Messer bedrohte und regelmäßig schlug. Verrückte und beängstigende Geschichte! 
Nun gab es erst einmal Abendessen, Veggies mit Sauce. Das konnten wir gebrauchen. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch für ein paar Stunden und fielen gegen Mitternacht müde in's Bett, neben dem ein Bärenkopf lag. Süße Träume!
Zum Frühstück gab es Eier und baked beans, dazu Tee und Kakao. Mit einem solchen Frühstück konnte der Tag nur gut starten. Di fuhr uns zurück zum Highway. Nach einer ganzen Weile hielt Iain an, der sich gerade auf dem Weg nach Auckland befand. Perfekt für mich, ich beschloss die ganze Strecke mitzufahren, so hatte ich einen Puffertag in Auckland, bevor ich meine Eltern treffen würde. Lars sprang einige Stationen früher heraus, um sich noch ein wenig im Norden umzuschauen. 
Gute 4 Stunden dauerte es bis Auckland, ich unterhielt mich mit Iain. Er hat 5 Kinder, 4 Jungs und 1 Mädchen. Good job! :D
In Auckland angekommen versuchte ich Jamie zu erreichen, der couchsurfing host, bei dem ich ein paar Tage zuvor schon gewohnt hatte, um nach einen Schlafplatz zu betteln. Es war gar kein Problem für ihn, also machte ich mich mit Bus und Bahn auf den Weg zu seinem Haus, Chateau Le Orakei.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen