Mittwoch, 2. April 2014

Das Ende und der Anfang

Mit Ach und Krach habe ich es zu Chris geschafft und mein Gepäck aufgeladen. WOW ist das schwer! Die letzten 3 Wochen bin ich gut und gerne mit 7 kg ausgekommen, jetzt sind es wieder 30 kg... Naja, auf ging's weiter nach St. Kilda zu Elena! :)) Ich hatte keinen richtigen Plan wie ich dort hinkommen sollte, aber irgendwie würde es schon klappen und so stand ich nach insgesamt 3,5 h Herumgegurke mit Bus, Bahn und Tram in St. Kilda und traf meinen Lieblingstravelmate wieder! :) Die Freude war natürlich groß! Wir liefen zum Hostel, ich checkte ein, wir quatschten eine Runde und schon gleich war es wieder, als wären wir nie getrennt gewesen! :) Zur Feier des Tages aßen wir zusammen Abendbrot in Form von leckerstem Salat und Chicken, besorgten noch etwas zu Trinken und saßen in einer netten Runde auf dem Rooftop mit unseren roommates aus Wales, Seatle und Lyon. Spät nachts gingen wir zu Bett. Tatsächlich, ein Bett! Sogar mit Matratze, für mich ganz alleine, ist das zu fassen? Das letzte Mal, dass ich ein eigenes Bett hatte, war bestimmt schon 3 Wochen her...Ich war überglücklich! :) Man lernt eben auch die kleinen Dinge im Leben zu schätzen! Aber ich hätte mir gewünscht am nächsten Morgen lieber nicht aufgewacht zu sein, denn das war es nun: Mein LETZTER Tag in Oz! Das konnte ich mir ja so gar nicht vorstellen, nach all der Zeit hier! Ich packte meine Sachen ordentlich zusammen, sodass ich später keinen Stress mehr damit haben würde. Dann schlenderten Elena und ich los, St. Kilda entdecken. Überall waren kleine Cafés, Restaurants, Shops und Art Works. Mir gefiel es. 

Zum Abschied hatten wir noch einmal, zum letzten Mal, gemeinsam lunch. 

Danach folgte er schon wieder, der Abschied. Da ich etwas in Eile war, fiel dieser relativ kurz und knapp aus, was sehr gut war, denn so konnte ich nicht all zu viel darüber nachdenken. Ich hatte 2h Zeit zum Flughafen zu kommen und die brauchte ich auch! Es war eine Tortour dorthin zu gelangen und das auch noch mit so vielen schweren Taschen.
Ich war heilfroh, als ich endlich ankam und mein Gepäck aufgab. Alles war gut. Naja, fast. Bei der Gepäckaufgabe fiel mir plötzlich auf, dass ich mein Handy in den Rucksack gepackt hatte, was sehr, sehr schlecht war. Ich hatte den ganzen Tag kein Internet gehabt, um mich mit meinem host in Auckland in Verbindung zu setzen. Jetzt konnte ich dummerweise auch das free Wi-Fi am Flughafen nicht nutzen, um mich bei ihm zu melden. Es half alles nichts, ich musste abwarten bis ich abends in Auckland ankam. Vorher hatte ich einen knapp 4-stündigen Flug vor mir. Leider war dieser sehr unruhig und holprig, sodass ich mehr als erleichtert war, als das Flugzeug wieder auf festem Boden stand! Beeilung, ich musste schnellstens an meinen Rucksack und meinem host schreiben! Glücklicherweise hatte er mir Adresse und Handynummer vorsichtshalber per Email geschickt und ich hatte noch free SMS. Ich schrieb ihm und suchte mir eine Möglichkeit zu seinem Haus zu kommen. Draußen wurde ich von einem Shuttlefahrer angesprochen, er wollte mich für 38$ an mein Ziel bringen, ich handelte auf 20$ runter. Nach einiger Zeit, kurz vor Mitternacht trudelte ich an seinem Haus ein. Ich schrieb ihm noch einmal und wartete vor seiner Tür. Für 1 Stunde. Und dann noch eine weitere...Nach 2,5h hatte ich die Nase voll! Keine Reaktion auf SMS, Klopfen und Klingeln. Ich sah ein, dass ich komplett aufgeschmissen war. Mir blieb nichts anderes übrig, als mir einen anderen Schlafplatz zu suchen, zur Not auch ein Fleckchen Rasen, auf dem ich zelten konnte, wobei es super kalt war und ich ohnehin schon durchgefroren war! Ich lief eine Straße entlang, 2k tat sich gar nichts. Mir war alles egal, ich wollte nur schlafen, hielt Ausschau nach öffentlichen Toiletten und war kurz davor meinen Schlafsack auszupacken und an einer Bushaltestelle zu übernachten! War mir aber dann noch zu gruselig und so zog ich weiter, bis ich an einer Tankstelle vorbeikam, die gerade aufgefüllt wurde. Sie hatte geschlossen. Na super, ich hatte solchen Durst und war hundemüde und sauer über die Tatsache mitten in der Nacht obdachlos durch einen Vorort von Auckland laufen zu müssen! Plötzlich sprach mich Simon an, der gerade dabei war die Tanks mit Benzin zu füllen. "Du siehst verloren aus!", sagte er. "Weißt du, wo du hin läufst?" Ich hatte absolut keine Ahnung und erklärte ihm meine Notlage. Er verstand schnell, schickte mich hinter den Truck und sagte ich solle dort warten. Er würde mich sobald er hier fertig wäre in die Stadt bringen. Aber ich solle mich ruhig verhalten, er dürfe das eigentlich nicht. Also wartete ich ab und schaute ihm zu, während wir uns leise unterhielten. Als er alles erledigt hatte, beluden wir den Truck mit meinen Taschen und schon ging es los. Simon fragte mich ein wenig über meine Reise aus, erzählte, dass er auch schon ein paar Mal in Deutschland gewesen sei, kannte sogar Mainz und Wiesbaden! Dann scherzte er noch, dass er das hier ja eigentlich nicht dürfe und hoffe, dass der Coconut-butter-Geruch von meinen Haaren in seinem Truck ihn nicht verraten würde, da er diesen um 04:00 Uhr an seinen Kollegen abgeben musste. Naja...ich fühlte mich nach der ganzen Aktion eher als würde ich wie ein ganzer Wildtierpark riechen! Wie auch immer. Wir kamen bald in der Stadt an. "Queen Street, hier gibt es einige Hostels mit 24h Rezeption, wir werden schon etwas finden." Er machte mir Mut und ließ mich an einer Ecke raus, wo schon einige junge Leute herumstanden. Das sah gut aus! Er sagte, er würde hier warten, bis ich im Hostel gefragt hätte, ob noch ein Bett für die Nacht frei wäre. Und so war es! Überglücklich rannte ich zurück zu ihm, bedankte mich tausendmal und holte meine Sachen! Vielleicht läuft man sich ja noch einmal über den Weg, denn es heißt ja so schön "Man sieht sich immer zweimal im Leben". Ansonsten bleibt es für mich ein Engel, der mich aus meiner Misslage herausgeholt hat.
Zwar war das Hostel nicht gerade günstig, aber es war mir in dem Moment alles Recht. Ich checkte ein und fiel in's Bett. Am Morgen musste ich um 10:00 Uhr auschecken. Da ich nicht so richtig wusste wohin mit mir, war mein erster Anhaltspunkt Peter Pans gleich um die Ecke, wo ich mein Handy auflud und das Internet nutzte. Der Vollpfosten von host hatte sich nicht gemeldet und reagierte auch auf keine meiner Nachrichten. Dann eben nicht. Ich hatte noch einen host im Petto, ich schrieb ihn an und hoffte, dass wenigstens er sich melden würde, denn ich war ja schon wieder obdachlos! Da ich aber auch nicht den ganzen Tag nur rumsitzen und warten wollte, lagerte ich mein Gepäck in der luggage storage des Hostels, in dem ich die Nacht zuvor geschlafen hatte, und schaute mir die Stadt an. Es gefiel mir hier, nicht zu groß, nicht zu hektisch, direkt am Wasser, alles war sehr zentral und schön. 

Im Visitor Center krallte ich mir ein paar Broschüren, um eine Idee zu bekommen, was ich in NZ eigentlich alles machen wollte, durchforstete sie grob, während ich Park saß und besorgte mir etwas zu Essen. Dann holte ich meine Sachen ab und hoffte, dass ich eine Nachricht von meinem zweiten host bekommen hätte. Fehlanzeige. Ich beschloss ein günstigeres Hostel zu finden und taumelte bepackt wie ein Esel durch die Stadt. Ich fand was ich suchte, checkte ein und genoss einen ruhigen Abend, schaute einen Film, da ich hier free WiFi hatte und schlief irgendwann ein. Heute Morgen verlängerte ich um eine weitere Nacht. Danach frühstückte ich schnell, denn ich hatte noch etwas vor. Den 16k langen Coast to Coast Trek, einfache Strecke. Erst war ich mir nicht sicher, ob sich die Anstrengung lohnen würde, doch das war sie! Entlang und durch verschiedene Parks, nicht zuletzt die Auckland Domain mit dem wunderschönen Wintergarten und dem duck pond, vorbei an Universitäten, wo sich Studenten auf bequemen, weichen Wiesen sonnten und zusammen lernten, die mich nur noch mehr motivierten im kommenden Wintersemester endlich auch als Studentin meinen Horizont zu erweitern, auch wenn ich noch keinen blassen Schimmer habe, in welche Stadt ich gehen werde, über Brücken, weiter bis zum fabelhaften Cornwall Park. Ich war ganz alleine, so konnte ich auch selbst entscheiden wo ich hingehen, was ich machen und sehen wollte. Ein jener anderer hätte sich vielleicht einsam oder verloren gefühlt, aber irgendwie genoss ich es nicht in einer der Tourigruppen umherzurennen. Im Gegenteil, wo es mir gefiel, da blieb ich auch mal eine Weile länger. So auch im Cornwall Park. Ich lief ganz hoch bis zum Lookout auf dem dem One Tree Hill. Nach einer politischen Attacke auf diesen einen Baum ziert nun ein Denkmal die Stelle. Von dort aus hat man einen sagenhaften Blick über die ganze Stadt, während man selbst  umzingelt von saftig grünen Wiesen, grasenden Schafen und Vulkangestein gar nicht weiß, wo man hinschauen soll, da es so schön aussieht. Für mich hatte das alles ein irishes Ambiente. Seit Wochen lief ich endlich wieder barfuß. Kennt ihr das Gefühl nach einem langen kalten Winter zum ersten Mal wieder barfuß zu laufen? Es kitzelt ein wenig, fühlt sich aber nach purer Freiheit an und da es hier in NZ keine wirklich giftigen Tiere mehr gibt, konnte ich das auch getrost und ohne Bedenken tun. Es war wie einer der ersten Frühlingstage, genau so fühlte es sich an. Dabei war hier doch Herbst! Laub lag auf den Straßen und trotzdem hatte es den Anschein, als würde es bald Sommer werden. Ich erinnere mich noch gut an den australischen Frühling, der wiederum fühlte sich eher an wie Herbst, mit seinem kalten Wind und der schwachen Sonne. Verrückt, es ist nun einmal alles verkehrtherum hier am anderen Ende. 

verrückt..!!




Domain Auckland
Lunch :)


Cornwall Park





meine treue Begleiterin!


Ich hatte heute einige Zeit um nachzudenken und erst jetzt fiel es mir auf: Ich war ja gar nicht mehr in Australien! Oh mein GOTT! 6,5 Monate waren vorbei, ich werde nicht mehr zurückgehen (Das heißt natürlich vorerst!)! Irgendwie machte es mich traurig, hatte ich da vielleicht die beste Zeit meines Lebens, und zugleich war ich wahnsinnig glücklich und stolz! Jetzt sollte das eigentliche Abenteuer ja erst losgehen! 2 Monate Neuseeland mit fast keinem Dollar in den Taschen! Morgen werde ich anfangen zu trampen. Vielleicht mit etwas Muskelkater nach dem 8-Stunden-Marsch heute. 
Wie ich das anstelle? Ich habe absolut, wie immer, keinen Plan! :)

p.s. der zweite host hat sich jetzt gemeldet...vielleicht komme ich auf sein Angebot zurück, wenn ich zurück nach Auckland komme... 

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