Sonntag, 13. April 2014

Daumen raus 👍

Wir standen keine 5 Minuten am Straßenrand, da hielt ein alter Hippiebus, darin saß ein etwas zahnloser, grauhaariger Zeitgenosse, er bot an uns zu einem besseren Spot zu fahren. Das Angebot nahmen wir natürlich gerne an. Und dann ging es los: Paihia nach Kerikeri, Kerikeri nach Mangonui, wobei uns der nette alte Herr, der uns mitnahm, auf Fish&Chips einlud, weiter nach Taipa, von dort mit einem Inder bis zu einer Straßengabelung und zum Schluß mit einem superlustigen Maori bis nach Pukenui, unsere Endstation für diesen Tag. Ich muss sagen, das klappte sehr gut, besser als erwartet!
In Pukenui gab es nicht viel, wir suchten uns das einzige Backpacker's und checkten bei John ein. Er und seine Frau vermieten ein paar kleine Zimmer an arme Backpacker wie uns. Da mir ein Zimmer jedoch zu teuer war, fragte ich nach einem Zeltplatz, schließlich war ich ja nun im Besitz eines nonplusultra-Zeltes! "Such dir einen schönen Platz im Garten, dort ist eine Menge Platz für dich und dein Zelt." :) Alles klar! 
Zum Glück bekam ich etwas Unterstützung von Lars. Es ist ja nicht so, dass ich im Zeltaufbauen nicht erprobt bin, jedoch scheiterte es fast an der Neumodischkeit dieses Funktionswunders. "Neumodische Fetz" würden wir zu Hause in Rhoihesse sagen. Nachdem das Ding aufgestellt und eingerichtet war, liefen wir runter zum Strand. Ein Strand vor der Haustür, nicht schlecht! Wir machten uns, wie ich es ja eigentlich immer tue, einen gemütlichen Abend mit Tee und Fernsehen auf der Couch. 
Nach einer recht kühlen Nacht im Zelt starteten wir am nächsten Morgen ganz früh los, um an's Cape zu trampen. Leider war auf dem Highway nicht viel los. Ohnehin stellte ich mir unter Highway etwas anderes vor. Tatsächlich war es eine einfache Straße, vergleichbar mit einer Landstraße in Deutschland, auf der mehr Kühe und Rinder als Autos unterwegs waren. 
Es dauerte über 1 Stunde, bis wir mitgenommen wurden. Von dem Franzosenpaar, das die letzte Nacht auch im gleichen Hostel übernachtet hatte. Hätten wir das mal früher gewusst, hätten wir uns nicht in den Nieselregen gestellt. 
Ihr Auto war sehr klein, der Kofferraum bereits komplett ausgefüllt mit Koffern und Taschen. Wir hatten also keine Wahl und packten uns und unsere Backpacks auf die Rücksitzbank. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie wir versuchten wie 2 Gummimännchen unsere Taschen und all unsere Gliedmaßen zu verstauen. Meine Nase drückte sich platt an meinem Rucksack, der sich in mein Gesicht presste, ich konnte nichts sehen und so fuhren wir eine Weile, bis wir Cape Reinga erreichten. Trotz grauer Wolken und kühlem Wind hatte es sich sehr gelohnt herzukommen! Wir liefen runter zum Lighthouse und hatten einen sagenhaften Blick auf die Küste und das Meer. 





Kurt immer mit von der Partie
Als wir uns sattgesehen hatten, frühstückten wir, bevor wir uns wieder an den Straßenrand stellten, um eine Mitfahrgelegenheit zu finden.
Da wir so gar kein Glück hatten, sprach ich 2 rocker chics an. Sie nahmen uns gerne mit, das wollten wir hören! Auf dem Weg zurück nach unten schauten wir uns noch den Coca Cola Lake an, der tatsächlich aussah wie das süße Gesöffs, schmeckte jedoch nicht danach, wie Lars feststellte! :D 

Wenig später kamen wir in Kaitaia an, wo die Mädels uns absetzten. Ausgehungert wie wir waren, liefen wir zum nächsten Supermarkt, der allerdings gute 40 Minuten Fußmarsch entfernt war. Mit all meinem Gepäck raubte mir der Marsch die letzte Kraft und ich war so froh als wir endlich ankamen. Im Supermarkt sprachen wir zwei Backpacker an, in der Hoffnung, dass wir ein Stück mit ihnen fahren könnten. Sie konnten uns zwar keinen lift geben, brachten uns aber zum Ortsausgang, hier hatten wir größere Chancen vom Fleck zu kommen. Jedoch standen wir uns hier die Beine in den Bauch, keiner hielt an. Bis Diana an uns vorbeifuhr und scharf bremste. Sie erklärte uns, dass wir um die Uhrzeit, es war kurz nach 17 Uhr, nicht mehr trampen sollten, es sei viel zu gefährlich und werde ruckzuck dunkel. Schneller als wir gucken konnten lag unser Gepäck in ihrem Auto und sie fuhr uns zu ihrem Haus, mitten im Nichts, umgeben von einem riesigen Stück Land mit grasenden Kühen, wo wir bis zum nächsten Tag bleiben sollten. Diana war super gastfreundlich, etwas verrückt aber total liebenswert. "Call me di, cause that's what will happen to you if you annoy me!" Sie scherzte eine Menge. Di ist Witwe, ihr Mann wurde vor 11 Jahren von ihrem Cousin ermordet, erzählte sie mir währenddessen wir das Bett bezogen. Seitdem lebt sie mit ihrer Hündin Molly, die sie vor Jahren als Welpen, mehr tot als lebendig, am Straßenrand fand, und ihrem Enkel Brandon, den sie ihrer Tochter wegnahm, nachdem ihr zweiter Schwiegersohn ihn mit einem Messer bedrohte und regelmäßig schlug. Verrückte und beängstigende Geschichte! 
Nun gab es erst einmal Abendessen, Veggies mit Sauce. Das konnten wir gebrauchen. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch für ein paar Stunden und fielen gegen Mitternacht müde in's Bett, neben dem ein Bärenkopf lag. Süße Träume!
Zum Frühstück gab es Eier und baked beans, dazu Tee und Kakao. Mit einem solchen Frühstück konnte der Tag nur gut starten. Di fuhr uns zurück zum Highway. Nach einer ganzen Weile hielt Iain an, der sich gerade auf dem Weg nach Auckland befand. Perfekt für mich, ich beschloss die ganze Strecke mitzufahren, so hatte ich einen Puffertag in Auckland, bevor ich meine Eltern treffen würde. Lars sprang einige Stationen früher heraus, um sich noch ein wenig im Norden umzuschauen. 
Gute 4 Stunden dauerte es bis Auckland, ich unterhielt mich mit Iain. Er hat 5 Kinder, 4 Jungs und 1 Mädchen. Good job! :D
In Auckland angekommen versuchte ich Jamie zu erreichen, der couchsurfing host, bei dem ich ein paar Tage zuvor schon gewohnt hatte, um nach einen Schlafplatz zu betteln. Es war gar kein Problem für ihn, also machte ich mich mit Bus und Bahn auf den Weg zu seinem Haus, Chateau Le Orakei.

Ein perfekter Tag im Norden

Die erste Nacht im Hostel war ein Traum aus weicher Matratze, kuscheliger Decke und Karaokegesang aus dem gegenüberliegenden Pub. Weil die Uhr in der Nacht umgestellt wurde, durfte ich sogar eine Stunde länger schlafen. Aber ich hatte sowieso nie eine Ahnung davon wie spät es war, welcher Tag oder welches Datum gerade auf dem Kalender stand. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. 
Das Hostel war wirklich spitze, etwas älter aber super schön, ein bisschen verwinkelt und sehr gemütlich. In jeder Nische gab es irgendetwas zu entdecken. Ausgeschlafen und erholt kraxelte ich am Morgen die Treppe zur gemeinschaftlichen Küche hinauf, schaute in den Kühlschrank, was meine Essenstüte so herzugeben hatte, kochte Tee auf und genoss die Morgensonne auf dem großen Balkon, der mich durch violettfarbene Blüten über's Meer blicken ließ. Ein Anblick, an den man sich gewöhnen könnte! 
Mit halbvollem Margen (bei ausgebrannten Backpackern ist das normal ;) ) starteten Marion und ich mit 2 Fahrrädern, die wir uns von der Rezeption ausgeliehen hatten, los zu den Haruru-Wasserfällen. Es war schon eine ganze Weile her, dass ich einen Drahtesel bewegt habe, aber es klappte ganz gut, nur die Ausdauer fehlte mir ein wenig. Die Hälfte des Weges fuhren wir mit dem Rad, die andere Hälfte wanderten wir. Der Weg war wirklich schön, kühl, direkt am Wasser gelegen, über Brücken und enge Pfade, bergauf und bergab. 

Nach ca. 8ks erreichten wir die Haruru Falls. Nunja, um ehrlich zu sein hatte ich mir etwas mehr erhofft. Noch bevor wir sehen konnten, was uns erwartet, hörten wir eine riesige Menge Wasser plätschern. Also gingen wir davon aus, dass die Attraktion auch gewaltig, oder zumindest groß sein würde. Im Endeffekt war das Spannendste nicht der Wasserfall, sondern 2 freche Enten, die einen Kampf mit meiner Bananenschale anzettelten. 


Wir wanderten zurück und verbrachten den Tag am Strand. Hier war es wirklich wunderschön, klares blau-türkisfarbenes Meerwasser, ein paar Segelboote, dazwischen Marion, die sich ein Kajak ausgeliehen hatte, die saftig grünen Inselreihen, die der Gegend ihren Namen verleihen, Bays of Islands, ein hübsches Bild! 
Ich streckte die Plauze in die Sonne und schaute den Hippies und Backpackern beim Ballspielen zu oder las ein wenig, lauschte der Musik im Hintergrund, die aus dem Kajakverleih trällerte. Ein Bus mit Aufschrift "Have a nice day" fuhr vorbei. Danke, den habe ich! :) Bis jetzt war er perfekt. Im Großen und Ganzen erinnerte mich das hübsche Paihia an die Hafenstadt Port Douglas im Nord-Osten Australiens, wo ausschließlich die Reichen und Schönen unterwegs waren. Und genau darin lag der Unterschied: Paihia war mindestens genau so schön und prachtvoll, allerdings waren die Leute wesentlich entspannter, ohne viel Glanz und Glamour. Man fühlte sich nicht wie eine Parzelle, die hier eigentlich nicht hingehörte.
Es wurde langsam Abend und damit etwas kühler. Wie eine Solarzelle fing ich die letzten Sonnenstrahlen ein und ging dann zurück zum Hostel. Duschen, zu Abend essen, packen, ab in's Bett und am nächsten Morgen auschecken, die typische Reihenfolge. Ich verabschiedete mich von Marion, die mit dem Bus weiterreiste und traf mich mit Lars, den ich aus Whangarei kannte. Zusammen wollten wir versuchen bis zum Cape Reinga zu trampen.

Samstag, 5. April 2014

Auckland - Stadt der Engel

Nunja, am Donnerstagmorgen checkte ich aus meinem Hostel aus, fest entschlossen meine erste Tour in den Norden zu starten - zu trampen. Ich kaufte noch schnell Proviant und wurde bereits im Supermarkt von Richard angesprochen. Ein älterer Herr, sehr aufgeschlossen und neugierig auf meine Geschichte. Er beschloss mir einen lift an eine gute Stelle Richtung Motorway zu geben, steckte mir seine Karte zu und bestand darauf, dass ich mich melden solle, falls ich Probleme haben sollte. Na, das klappt doch wie geschmiert! So nun stand ich dort am Straßenrand. Leider spielte das Wetter nicht mit, es goss aus Kübeln! Ein Glück kam ich schnell an meine Regenjacke ran! Ich war morz aufgeregt, zum ersten Mal Trampen, ganz alleine! Und wohin wusste ich auch nicht wirklich. Um überhaupt einmal eine Richtung zu haben, suchte ich mir die nächste größere Stadt auf der Karte heraus: Whangarei. Ich stellte mich an den Rand der gut befahrenen Straße, es herrschte reges Chaos, die Autos stauten sich. Gut für mich! So war es für denjenigen, der mich mitnehmen wollte, einfacher anzuhalten. Derjenige war dann Richard, ja genau, noch ein Richard. Familienvater, arbeitet für Moonbar und war sehr besorgt um mich. Zwar versicherte er mir, dass ich bei ihm in guten Händen sei, ich aber auf hitch hiking, vor allem in der Gegend überhalb von Auckland, verzichten solle, es wäre viel zu gefährlich! Schon gar alleine als junges Mädchen. Dann stockte er und überlegte lange hin und her. Er meinte, er müsse noch ein paar kleine Jobs erledigen, danach würde er eine Lösung für mich finden. Erst wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, aber im Auto war es warm und trocken, also blieb ich sitzen. Während er geschäftliches erledigte, durfte ich einen Moonbar (Müsliriegel) probieren und, OH MEIN GOTT, die sind ja so verdammt lecker! :) Als wir weiterfuhren, unterhielten wir uns über meinen Bildungsweg und Rick meinte, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe, sollte ich doch bei Moonbar einsteigen und den Vertrieb in Europa übernehmen! :D Guter Plan! Wir unterhielten uns über so viele Dinge, Gott und die Welt, Politik, Religion, Lebensweisheiten...Eine Weile später hielt er vor seinem Haus an, erledigte ein paar Dinge, ich sah seine zuckersüße 7 Monate alte Tochter. Als er wieder ins Auto einstieg hatte er die Idee, von der er nicht mehr abwich. Rick wollte mir ein Busticket kaufen. Nein. Nein, also wirklich nicht! Das kann ich unmöglich annehmen! Niemals. Er fuhr zum Bus Terminal und nahm mich mit in's Büro, um sich dort über Angebote und Routen schlau zu machen. Während er sich mit der Dame am Schalter unterhielt und beraten ließ, stand ich hippelig daneben, steppte von einem Fuß auf den anderen und überlegte, wie ich aus der Situation wieder herauskommen würde! Mir war das alles super unangenehm und bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte er bereits gekauft: Einen 5er Flexi-Pass, mit dem ich 5 Strecken meiner Wahl mit einem CityLiner zurücklegen konnte. Ist er wahnsinnig????! Was Rick dafür bezahlt hat verschweige ich lieber! Natürlich sah er mir an, dass ich mich damit unwohl fühlte, aber er bestand darauf, dass ich den Pass annahm. Nun gut, gekauft war er sowieso schon, also nahm ich das Geschenk widerwillen an, obwohl ich damit komplett überfordert war. Am nächsten Tag konnte ich dann also mit dem Bus hinfahren, wohin ich wollte, ich musste nur noch eine Nacht überbrücken. Rick fragte, ob ich das schaffen würde, ob ich einen Schlafplatz hätte. Ich versicherte ihm, dass ich bei einem meiner hosts unterkommen könne, auch wenn ich das noch gar nicht sicher wusste. Egal! Ich wollte ihm nicht noch mehr Grund dazu geben, sich um mich kümmern zu müssen, auch wenn er das gerne tat. Ich bedankte mich so oft und so gut es ging und verabschiedete mich. Als ob das nicht genug sei, drückte er mir außerdem noch seine Karte in die Hand und einen Briefumschlag. Ich konnte es nicht fassen! Aber er bestand darauf ihn ebenfalls anzunehmen, keine Widerrede! Baff, verwundert und komplett gaga blieb ich zurück, sah seinem Auto nach, bis es im Verkehr verschwand und brauchte ein paar Minuten, um den Moment zu realisieren. Was war da gerade passiert? Und wo bleibe ich heute Nacht? Ich habe mir geschworen den Inhalt dieses Briefumschlages nicht anzurühren! Dagegen beschäftigte ich mich fieberhaft mit dem Gedanken, wie ich mich erkenntlich zeigen und mich revanchieren könnte!
Mein erstes Ziel war nun Peter Pans, die Travel Agency, wo ich free WiFi nutzen konnte. So setzte ich mich mit Jamie in Vetbindung, der eine Couch zu vergeben hatte. Ein paar Minuten später hatte ich seine Zusage und machte mich auf den Weg zu seinem Haus - Chateau Le Orakei (die Übersetzung spare ich mir! ;) )
Dort angekommen traf ich nicht ihn, dafür aber 2 deutsche Pärchen, 2 Engländer, 2 Slowenen und eine Philippinnin an. Na hier war ja was los! :) Wie ich später erfuhr, lässt Jamie all diese Leute unterschiedlich lange, bzw. so lange wie sie wollen, bei sich wohnen. Im Endeffekt kam ich auf 14 Leute aus aller Welt, die zusammen in einem mega coolen Haus, 2 davon in einem Baumhaus im Garten wohnen. Mir gefiel es hier! Plötzlich kam einer der Engländer mit einer Tupperdose in die Küche und präsentierte uns seinen Fang, den er im Garten gemacht hatte. Eine Spinne der Kategorie White Tail Spider, nicht tödlich, dennoch sehr giftig. Mh, okay...Ich tue jetzt mal so, als hätte ich das nicht gehört! Er packte das Tierchen in Größe eines Tischtennisballes in den Kühlschrank, warum auch immer...
Den restlichen Abend unterhielt ich mich mit den anderen Bewohnern, skypte eine Runde nach Deutschland und fiel später todmüde, aber glücklich in's Bett.
Am nächsten Tag fuhr ich zurück in die Stadt und buchte mich für den Bus nach Whangarei ein. Solange ich auf diesen wartete, buchte ich mir außerdem ein Hostelzimmer für den Abend. 
Als in in Whangarei ankam, wurde ich vom Besitzer des Hostels abgeholt. Danach checkte er mich ein und zeigte alles. Er und seine Frau sind wirklich zu lieb! Da ich mir am nächsten Tag ein wenig etwas anschauen und danach direkt den nächsten Bus nach Paihia nehmen wollte, bot er mir an mein Gepäck morgens in die Stadt zu bringen, sodass ich mich frei bewegen konnte. Top! In meinem Zimmer hatte ich 2 Deutsche, Corinna, die mich aus Peter Pans aus Auckland wiedererkannte, und Lars, außerdem eine Engländerin, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, shame on me! Lars schenkte mir sein übergebliebenes Abendessen, Nudeln mit leckerster Hackfleischsoße! Meine Augen müssen gefunkelt haben, ich war mega happy über warmes Essen! Im Gegenzug übernahm ich den Abwasch und spendierte ein paar Kekse. Danach saßen wir draußen, Lars, Corinna und noch 2 Kumpels von Lars, Marc und Mike, die er hier kennengelernt hatte, und spielten Kniffel bei einem Bierchen und einem Glas Wein. Es war mega entspannt und lustig, auch wenn ich unglaublich fror, trotz Fleece- und Regenjacke. In der Nacht kuschelte ich mich in's warme Bett mit Schlafsack, 2 Decken und Kissen, es war herrlich! Heute Morgen checkten wir alle aus, Marc und Mike machten sich zurück nach Auckland, Corinna hatte einen Tauchkurs gebucht, sie treffe ich in Auckland wieder, überließen mir freundlicherweise ihr gutes Zelt, womit ich super glücklich war (DANKE NOCHMAL!!! Ihr könnt es euch wirklich gerne im Sommer abholen kommen ;-P), Lars machte sich, wie auch ich, auf in Richtung Norden und die Engländerin wusste noch nicht so genau wohin mit sich. Ich schnallte mir meinen kleinen Rucksack um und startete meine Route zu den Wasserfällen und danach weiter in die Stadt. Bei der Gelegenheit wollte ich gleich und endlich einmal meine brandneuen Wanderschuhe, die ich jetzt 7 Monate mit mir herumgetragen hatte, einlaufen. Blöd nur, dass ich nur noch einen Socken hatte! Ihr könnt euch kaum vorstellen wie unangenehm das Wandern so war! Nie wieder, das habe ich mir geschworen! Typisch Backpacker...Trotz allem war der walk richtig schön, alles grün, viel Wasser, sehr beruhigend. 




beinahe wäre ich auf dumme Gedanken gekommen... :D
Mit wunden Füßen kam ich 3 Stunden später in der Stadt an, holte mein Gepäck ab und schleppte mich zum Bus, der mich in weniger als 2 Stunden in's wunderschöne Paihia brachte. Es ist wirklich ein Traum! Warm, eine kleine Küstenstadt voll mit jungen Leuten, Cafés und Hostels, Strand, Meer, Inseln und Booten. Ich lernte Marion kennen und folgte ihr in ein Hostel, wo ich glücklicherweise noch ein Bett für die Nacht bekam. Das Hostel ist wahnsinnig schön, etwas verwinkelt, man hat das Gefühl immer noch einen neuen Raum zu entdecken. Marion und ich schlenderten in der abendlichen Sonne durch die Stadt, besorgten etwas zu Essen, sahen die Sonne hinter den Bergen untergehen, während sich das bunte Licht im Meer spiegelte und kehrten zurück im Hostel ein, bevor es draußen frisch wurde. Wieder hier angekommen, verlängerte ich meinen Hostelaufenthalt direkt um eine weitere Nacht. Morgen schaue ich mir mit Marian die Wasserfälle an und werde danach faul am Strand liegen! Vielleicht kommt Lars, der gerade im 15-Minuten entfernten Russel ist, mal vorbei. Ich bin gespannt, was der Norden hier noch so zu bieten hat!

Mittwoch, 2. April 2014

Das Ende und der Anfang

Mit Ach und Krach habe ich es zu Chris geschafft und mein Gepäck aufgeladen. WOW ist das schwer! Die letzten 3 Wochen bin ich gut und gerne mit 7 kg ausgekommen, jetzt sind es wieder 30 kg... Naja, auf ging's weiter nach St. Kilda zu Elena! :)) Ich hatte keinen richtigen Plan wie ich dort hinkommen sollte, aber irgendwie würde es schon klappen und so stand ich nach insgesamt 3,5 h Herumgegurke mit Bus, Bahn und Tram in St. Kilda und traf meinen Lieblingstravelmate wieder! :) Die Freude war natürlich groß! Wir liefen zum Hostel, ich checkte ein, wir quatschten eine Runde und schon gleich war es wieder, als wären wir nie getrennt gewesen! :) Zur Feier des Tages aßen wir zusammen Abendbrot in Form von leckerstem Salat und Chicken, besorgten noch etwas zu Trinken und saßen in einer netten Runde auf dem Rooftop mit unseren roommates aus Wales, Seatle und Lyon. Spät nachts gingen wir zu Bett. Tatsächlich, ein Bett! Sogar mit Matratze, für mich ganz alleine, ist das zu fassen? Das letzte Mal, dass ich ein eigenes Bett hatte, war bestimmt schon 3 Wochen her...Ich war überglücklich! :) Man lernt eben auch die kleinen Dinge im Leben zu schätzen! Aber ich hätte mir gewünscht am nächsten Morgen lieber nicht aufgewacht zu sein, denn das war es nun: Mein LETZTER Tag in Oz! Das konnte ich mir ja so gar nicht vorstellen, nach all der Zeit hier! Ich packte meine Sachen ordentlich zusammen, sodass ich später keinen Stress mehr damit haben würde. Dann schlenderten Elena und ich los, St. Kilda entdecken. Überall waren kleine Cafés, Restaurants, Shops und Art Works. Mir gefiel es. 

Zum Abschied hatten wir noch einmal, zum letzten Mal, gemeinsam lunch. 

Danach folgte er schon wieder, der Abschied. Da ich etwas in Eile war, fiel dieser relativ kurz und knapp aus, was sehr gut war, denn so konnte ich nicht all zu viel darüber nachdenken. Ich hatte 2h Zeit zum Flughafen zu kommen und die brauchte ich auch! Es war eine Tortour dorthin zu gelangen und das auch noch mit so vielen schweren Taschen.
Ich war heilfroh, als ich endlich ankam und mein Gepäck aufgab. Alles war gut. Naja, fast. Bei der Gepäckaufgabe fiel mir plötzlich auf, dass ich mein Handy in den Rucksack gepackt hatte, was sehr, sehr schlecht war. Ich hatte den ganzen Tag kein Internet gehabt, um mich mit meinem host in Auckland in Verbindung zu setzen. Jetzt konnte ich dummerweise auch das free Wi-Fi am Flughafen nicht nutzen, um mich bei ihm zu melden. Es half alles nichts, ich musste abwarten bis ich abends in Auckland ankam. Vorher hatte ich einen knapp 4-stündigen Flug vor mir. Leider war dieser sehr unruhig und holprig, sodass ich mehr als erleichtert war, als das Flugzeug wieder auf festem Boden stand! Beeilung, ich musste schnellstens an meinen Rucksack und meinem host schreiben! Glücklicherweise hatte er mir Adresse und Handynummer vorsichtshalber per Email geschickt und ich hatte noch free SMS. Ich schrieb ihm und suchte mir eine Möglichkeit zu seinem Haus zu kommen. Draußen wurde ich von einem Shuttlefahrer angesprochen, er wollte mich für 38$ an mein Ziel bringen, ich handelte auf 20$ runter. Nach einiger Zeit, kurz vor Mitternacht trudelte ich an seinem Haus ein. Ich schrieb ihm noch einmal und wartete vor seiner Tür. Für 1 Stunde. Und dann noch eine weitere...Nach 2,5h hatte ich die Nase voll! Keine Reaktion auf SMS, Klopfen und Klingeln. Ich sah ein, dass ich komplett aufgeschmissen war. Mir blieb nichts anderes übrig, als mir einen anderen Schlafplatz zu suchen, zur Not auch ein Fleckchen Rasen, auf dem ich zelten konnte, wobei es super kalt war und ich ohnehin schon durchgefroren war! Ich lief eine Straße entlang, 2k tat sich gar nichts. Mir war alles egal, ich wollte nur schlafen, hielt Ausschau nach öffentlichen Toiletten und war kurz davor meinen Schlafsack auszupacken und an einer Bushaltestelle zu übernachten! War mir aber dann noch zu gruselig und so zog ich weiter, bis ich an einer Tankstelle vorbeikam, die gerade aufgefüllt wurde. Sie hatte geschlossen. Na super, ich hatte solchen Durst und war hundemüde und sauer über die Tatsache mitten in der Nacht obdachlos durch einen Vorort von Auckland laufen zu müssen! Plötzlich sprach mich Simon an, der gerade dabei war die Tanks mit Benzin zu füllen. "Du siehst verloren aus!", sagte er. "Weißt du, wo du hin läufst?" Ich hatte absolut keine Ahnung und erklärte ihm meine Notlage. Er verstand schnell, schickte mich hinter den Truck und sagte ich solle dort warten. Er würde mich sobald er hier fertig wäre in die Stadt bringen. Aber ich solle mich ruhig verhalten, er dürfe das eigentlich nicht. Also wartete ich ab und schaute ihm zu, während wir uns leise unterhielten. Als er alles erledigt hatte, beluden wir den Truck mit meinen Taschen und schon ging es los. Simon fragte mich ein wenig über meine Reise aus, erzählte, dass er auch schon ein paar Mal in Deutschland gewesen sei, kannte sogar Mainz und Wiesbaden! Dann scherzte er noch, dass er das hier ja eigentlich nicht dürfe und hoffe, dass der Coconut-butter-Geruch von meinen Haaren in seinem Truck ihn nicht verraten würde, da er diesen um 04:00 Uhr an seinen Kollegen abgeben musste. Naja...ich fühlte mich nach der ganzen Aktion eher als würde ich wie ein ganzer Wildtierpark riechen! Wie auch immer. Wir kamen bald in der Stadt an. "Queen Street, hier gibt es einige Hostels mit 24h Rezeption, wir werden schon etwas finden." Er machte mir Mut und ließ mich an einer Ecke raus, wo schon einige junge Leute herumstanden. Das sah gut aus! Er sagte, er würde hier warten, bis ich im Hostel gefragt hätte, ob noch ein Bett für die Nacht frei wäre. Und so war es! Überglücklich rannte ich zurück zu ihm, bedankte mich tausendmal und holte meine Sachen! Vielleicht läuft man sich ja noch einmal über den Weg, denn es heißt ja so schön "Man sieht sich immer zweimal im Leben". Ansonsten bleibt es für mich ein Engel, der mich aus meiner Misslage herausgeholt hat.
Zwar war das Hostel nicht gerade günstig, aber es war mir in dem Moment alles Recht. Ich checkte ein und fiel in's Bett. Am Morgen musste ich um 10:00 Uhr auschecken. Da ich nicht so richtig wusste wohin mit mir, war mein erster Anhaltspunkt Peter Pans gleich um die Ecke, wo ich mein Handy auflud und das Internet nutzte. Der Vollpfosten von host hatte sich nicht gemeldet und reagierte auch auf keine meiner Nachrichten. Dann eben nicht. Ich hatte noch einen host im Petto, ich schrieb ihn an und hoffte, dass wenigstens er sich melden würde, denn ich war ja schon wieder obdachlos! Da ich aber auch nicht den ganzen Tag nur rumsitzen und warten wollte, lagerte ich mein Gepäck in der luggage storage des Hostels, in dem ich die Nacht zuvor geschlafen hatte, und schaute mir die Stadt an. Es gefiel mir hier, nicht zu groß, nicht zu hektisch, direkt am Wasser, alles war sehr zentral und schön. 

Im Visitor Center krallte ich mir ein paar Broschüren, um eine Idee zu bekommen, was ich in NZ eigentlich alles machen wollte, durchforstete sie grob, während ich Park saß und besorgte mir etwas zu Essen. Dann holte ich meine Sachen ab und hoffte, dass ich eine Nachricht von meinem zweiten host bekommen hätte. Fehlanzeige. Ich beschloss ein günstigeres Hostel zu finden und taumelte bepackt wie ein Esel durch die Stadt. Ich fand was ich suchte, checkte ein und genoss einen ruhigen Abend, schaute einen Film, da ich hier free WiFi hatte und schlief irgendwann ein. Heute Morgen verlängerte ich um eine weitere Nacht. Danach frühstückte ich schnell, denn ich hatte noch etwas vor. Den 16k langen Coast to Coast Trek, einfache Strecke. Erst war ich mir nicht sicher, ob sich die Anstrengung lohnen würde, doch das war sie! Entlang und durch verschiedene Parks, nicht zuletzt die Auckland Domain mit dem wunderschönen Wintergarten und dem duck pond, vorbei an Universitäten, wo sich Studenten auf bequemen, weichen Wiesen sonnten und zusammen lernten, die mich nur noch mehr motivierten im kommenden Wintersemester endlich auch als Studentin meinen Horizont zu erweitern, auch wenn ich noch keinen blassen Schimmer habe, in welche Stadt ich gehen werde, über Brücken, weiter bis zum fabelhaften Cornwall Park. Ich war ganz alleine, so konnte ich auch selbst entscheiden wo ich hingehen, was ich machen und sehen wollte. Ein jener anderer hätte sich vielleicht einsam oder verloren gefühlt, aber irgendwie genoss ich es nicht in einer der Tourigruppen umherzurennen. Im Gegenteil, wo es mir gefiel, da blieb ich auch mal eine Weile länger. So auch im Cornwall Park. Ich lief ganz hoch bis zum Lookout auf dem dem One Tree Hill. Nach einer politischen Attacke auf diesen einen Baum ziert nun ein Denkmal die Stelle. Von dort aus hat man einen sagenhaften Blick über die ganze Stadt, während man selbst  umzingelt von saftig grünen Wiesen, grasenden Schafen und Vulkangestein gar nicht weiß, wo man hinschauen soll, da es so schön aussieht. Für mich hatte das alles ein irishes Ambiente. Seit Wochen lief ich endlich wieder barfuß. Kennt ihr das Gefühl nach einem langen kalten Winter zum ersten Mal wieder barfuß zu laufen? Es kitzelt ein wenig, fühlt sich aber nach purer Freiheit an und da es hier in NZ keine wirklich giftigen Tiere mehr gibt, konnte ich das auch getrost und ohne Bedenken tun. Es war wie einer der ersten Frühlingstage, genau so fühlte es sich an. Dabei war hier doch Herbst! Laub lag auf den Straßen und trotzdem hatte es den Anschein, als würde es bald Sommer werden. Ich erinnere mich noch gut an den australischen Frühling, der wiederum fühlte sich eher an wie Herbst, mit seinem kalten Wind und der schwachen Sonne. Verrückt, es ist nun einmal alles verkehrtherum hier am anderen Ende. 

verrückt..!!




Domain Auckland
Lunch :)


Cornwall Park





meine treue Begleiterin!


Ich hatte heute einige Zeit um nachzudenken und erst jetzt fiel es mir auf: Ich war ja gar nicht mehr in Australien! Oh mein GOTT! 6,5 Monate waren vorbei, ich werde nicht mehr zurückgehen (Das heißt natürlich vorerst!)! Irgendwie machte es mich traurig, hatte ich da vielleicht die beste Zeit meines Lebens, und zugleich war ich wahnsinnig glücklich und stolz! Jetzt sollte das eigentliche Abenteuer ja erst losgehen! 2 Monate Neuseeland mit fast keinem Dollar in den Taschen! Morgen werde ich anfangen zu trampen. Vielleicht mit etwas Muskelkater nach dem 8-Stunden-Marsch heute. 
Wie ich das anstelle? Ich habe absolut, wie immer, keinen Plan! :)

p.s. der zweite host hat sich jetzt gemeldet...vielleicht komme ich auf sein Angebot zurück, wenn ich zurück nach Auckland komme...