Donnerstag, 30. Januar 2014

Das Leben beißt, das Leben küsst

Gerade befinde ich mich einmal wieder in einem absoluten emotionalen Chaos, eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle. Ob ich damit nun langsam den Ausdauerrekord im Achterbahnfahren bestreiten kann? Richard Rodriguez würde ich auf jeden Fall alle Ehre machen.

Aber um mal Licht in's Dunkeln zu bringen erzähle ich mal besser wieso, weshalb und warum.
Wie ihr schon lesen konntet, habe ich mir ein Zugticket für den unglaublichen Indian Pacific gegönnt. 
Dieser wird mich Ende März 3 Tage lang von Perth durch das Outback zurück nach Melbourne bringen. Ich freue mich jetzt schon wie ein Schnitzel, denn in der Planphase meiner Reise hätte ich niemals gedacht, dass ich die Möglichkeit dazu bekommen würde. Somit war mein erstes Gehalt meiner Meinung nach sehr sinnvoll investiert. Auch mit dem Job lief es gut, ich bekam langsam Routine, es machte Spaß und ich schloss meine Kollegen immer mehr in's Herz! :) Vergangenen Sonntag, 26.01. war hier in Australien der nationale Feiertag - Australia Day. Anstatt diesen gebührend zu feiern, mit all den anderen zig tausenden, was sage ich, MILLIONEN Menschen am Strand, in der Stadt oder wo auch immer zu feiern, beschloss ich, vernünftig wie ich bin, zu arbeiten. Mohammed hatte mir jedoch Sonntag und Montag freigegeben. Also beschloss ich meinen eher ungeliebten Zweitjob als Flyer Distributeur anzutreten. 
30km, 7 Stunden ohne Verschnauffpause umherrennen, Flyer einwerfen und hoffen, dass am Ende mindestens 95% der Route geschafft wurden. Ich war in Topform und schaffte sogar 100%! Pammm! :) Mit Blasen an den Füßen, dennoch happy fuhr ich nach Hause. Am Abend stand das große Feuerwerk am Darling Harbour an. Freunde, das war ein Farbdonner kann ich euch sagen! 

Mal ganz abgesehen von den Menschenmassen und dem Troubel war das wirklich ein ganz großes Kino und ich stand mit einer dicken Gänsehaut da und staunte. Den Montag startete ich auch ganz gechillt und ging mittags zu meiner Einarbeitung für meinen Drittjob als Rezeptionistin im G'Day-Hostel. Dennis, der Coordinator, der uns in unserer ersten Woche vor 4 Monaten hier in Sydney alles gezeigt hat, arbeitet mich nun auf meine neue Stelle ein, irgendwie lustig. Ich dachte nicht, dass wir die Leute, die zu unserer Anfangszeit hier waren, alle noch einmal wieder sehen würden, da die meisten im Laufe der Zeit weitertraveln. Wie Backpacker das eben so machen. Auch Bjorn, dessen Job ich also nun ab nächster Woche übernehmen werde, kannte ich bereits von damals. Die Arbeit macht mir Spaß, Erfahrung habe ich ja bereits in Deutschland gesammelt, somit ist das relativ easy. Am Abend schrieb ich Mohammed, er hatte mal wieder vergessen mir zu sagen, wann ich am nächsten Tag zur Arbeit kommen sollte. Seine Antwort lies mir den Atem stocken. Mit Schnappatmung las ich was er schrieb: "Hey Lisa, meine Schwester kam heute aus dem Urlaubzurück und ist nicht damit einverstanden, dass ich noch jemanden eingestellt habe. Sie ist der Meinung es seien nun zu viele Personen. Es tut mir wirklich sehr leid...Komm doch morgen vorbei, dann zahle ich dir dein Restgeld aus." Das saß! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet und lief betröppelt nach Hause in's Hostel. Ich schrieb Anci. Sie war auch super verwundert und traurig und konnte das alles gar nicht verstehen. Ich hatte soeben meinen Hauptjob verloren. Das passte mir so gar nicht in den Kram, denn meine Rechnung für all die Reisen, die ich noch geplant hatte, ging nur mit diesem Job gerade so auf (gemeint sind alle Reisen innerhalb Australiens, in NZ bin ich sowieso komplett pleite - whatever! :D ). Jetzt ist nicht mal sicher, ob ich meine Westenreise machen kann, das Zugticket ist aber bereits unwiderruflich gebucht und nicht übertragbar. Hieß also für mich, dass ich am Dienstag wieder einmal auf Jobsuche gehen musste, CVs verteilte, gumtree durchforstete und hoffte, das ganz bald irgendetwas passiert. Am Mittwoch kam es dann noch dicker. Ich entschloss mich an diesem Tag Flyer auszutragen - ganz dumme Idee, denn das Wetter meinte es ein wenig zu gut mit uns. Bei 30 Grad Hitze und 7 Stunden Marathon durch die pralle australische Sonne war ich nicht mehr fähig einen Fuß vor den anderen zu setzen, mein Kopf kündigte an gleich zu explodieren und meine Haut spannte an jedem Quadratzentimeter meines Körpers, obwohl ich versucht hatte meine Schultern und Rücken mit einer Plastiktüte von coles weitestgehend einzuhüllen und zu schützen.
Ich hatte kein Frühstück und musste dann soetwas hier austragen! Fiiiese Sache!

Mal im Ernst, wie weit kann man sinken? :D Jetzt fehlt wirklich nur noch, dass ich mein Lager mit einem Pappkarton in der Fußgängerzone aufschlage, playback zu Britney Spears oder Mariah Carey performe und mein Essen aus der Mülltonne zusammenschnorre! :D Spätestens dann habe ich alle Stufen der Armut durchlebt. Andererseits, schlimmer werden konnte es ja nun wirklich nicht mehr. Oder doch? Ja, es konnte...Vor ein paar Tagen verlieh ich, schon mit einem etwas eher unguten Gefühl, mein Longboard an einen meiner roommates, aber naiv wie ich nun einmal bin, glaubte ich an das gute im Menschen. Ende vom Lied: Mein Longboard bekam ich zwar zurück, jedoch komplett zerkratzt und gesplittert! Ich war wirklich sehr sauer und klärte mit dem anstandslosen Grobmotoriker, dass er dafür bezahlen würde, somit war die Sache für mich geritzt. Als ich aber an diesem Tag nach Hause kam, war mein roommate Hals über  Kopf ausgezogen. Suuuuper, somit habe ich mein Geld nicht bekommen und bin ziemlich geknickt deswegen! Ich kann ein solches Verhalten einfach nicht verstehen. Aber aus Dummheit lernt man, ich muss wieder misstrauischer werden! Idioten gibt es einfach immer und überall, auch wenn ich das nicht glauben will. Dennoch, wenn man denkt, dass nun sowieso alles den Bach runtergeht, gibt es immer noch eine Sache, die mich selbst aus dem tiefsten Loch herausholt: Musik! Als ich so traurig und frustriert durch die Straßen Sydneys trottete und versuchte einen neuen Job zu finden, fesselte dieser junge Herr mich plötzlich mit seinem musikalischen Lasso an eine Parkbank und ließ mich nicht mehr los: 

Joe Moore, ursprünglich aus UK. 22 Jahre an und in meinen Augen ein ganz großes Talent! Wie sich herausstellte, war er tatsächlich schon bei Australia's got talent. Mit meinen letzten 10bugs kaufte ich seine CD. 

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auf dem Weg zur Arbeit :)
 
Dank Krissi, liebster roommate, liebe ich Sushi! Backpacker-Geldtaschen-Gift!
Einmal Skypen um die Welt mit Chris, zur Zeit in Zypern! :)
gut gelaunt und sorgenfrei, arbeitslos und Spaß dabei? Bei 30 Grad Chillen im Hyde Park und die Mädels am Start! 🌴☀️🍦



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