Donnerstag, 5. Dezember 2013

Thomas, unser Sorgenkind

Wir haben uns nicht, wie geplant, mit unseren Freunden in Brisbane getroffen, denn Thomas war immer noch krank! Elvis teilte uns etwas ziemlich niederschmetterndes mit...die kaputte Zündspule, die Thomas außer Gefecht gesetzt hat, ist irreparabel und wird noch dazu nicht mehr produziert! Sehr, sehr schlechte Neuigkeiten! Aber Elvis versprach uns alles zu tun, um uns zu helfen. Er setzte sich mit einigen Schrotthändlern in Verbindung, wir saßen zu Hause und warteten gespannt ab. Erst einmal passierte nichts, dann ein Anruf, Elvis hat einen Händler gefunden, er würde für uns die ganzen Kilometer hinfahren, das Teil abholen und schauen, ob es passt. Ein Hoffnungsschimmer, wir drückten alle Daumen für Thomas! Da wir es nicht mehr aushielten den ganzen Tag in der Bude zu sitzen, beschlossen wir mit unserem "Leihwagen" in die Stadt zu fahren, denn Elvis hatte nichts dagegen. Er sagte, er hat die Spule nun und weiß in 30 Minuten, ob sie passt oder nicht. Leider klingelte das Handy selbst nach 2 Stunden nicht! :( Wir schlenderten durch die Stadt und lenkten uns ab. Elena und ich schauten bei Patrick vorbei, der uns den Job in Marlborough bei Schreckschrauben-Doreen und Grummelkopf Bill verschafft hatte, und klärten ihn auf, was passiert war. Irgendwie erinnern mich die 2 jetzt an Grammi und Gruffi von der Gummibärenbande, mit dem Unterschied, dass ich die menschliche Version nicht leiden kann. Auf Patricks Frage hin, ob man weiterhin Backpacker dorthin schicken sollte, antworteten wir einstimmig und entschlossen mit "Nein"! Dann klärten wir ihn über unsere weiteren Pläne auf und er versprach uns zu helfen und einen neuen Job zu finden. Das wollten wir hören! :) 
Draußen wurde es bereits dunkel und die Stadt fing an noch viel größer und prächtiger zu wirken, mit all ihren Riesenbauten, die jetzt anfingen zu leuchten. 


Am Boden leuchteten jedoch ganz andere Lichter, die mich irgendwie verstörten: Weihnachtsschmuck in allen Farben und Formen! Und das bei 30 Grad? Irgendwie kann ich mich wirklich nicht daran gewöhnen, es ist verrückt! Ein Weihnachtschor, der in der Fußgängerzone performte, Weihnachtsmusik in den Läden und Weihnachtsbäume und -Engel an jeder Straßenecke! Und irgendwie bewirkt all das so gar keine Weihnachtsstimmung bei mir.


Auf einmal klingelte das Handy, Elvis ruft an! Gespannt beobachteten wir anderen 3 das Gespräch, wovon wir nur eine Seite hören konnten und versuchten am Gesichtsausdruck abzulesen, ob wir uns freuen oder weinen sollten. Wir konnten uns freuen, Elvis hat es geschafft, Thomas lebt!!! :) Ab zu Elvis, Thomas abholen! Wir liefen überglücklich zum Auto, dass etwas außerhalb geparkt war und wollten schnurstracks zu Elvis fahren, saßen im Auto, Janik drehte den Schlüssel in der Zündung und...es passierte nichts! Batterie leer. Whaaat?! Ist das dein Ernst?! Ich konnte mir ein fassungsloses Lachen nicht verkneifen! Wie ironisch kann das Leben sein? Nach kurzer Krisensitzung teilten wir uns auf, Elena und ich liefen die Straßen ab, um ein Parkhaus oder sonstiges zu finden, um einen Fremdstarter zu organisieren. Das eine Parkhaus war wegen Bauarbeiten gesperrt, die anderen bereits geschlossen, wir liefen bedröppelt zurück, als uns Nils entgegen kam und die Hände oben hielt. Yay, das Auto läuft schon wieder! Ein Securitymann hatte uns geholfen die Kiste wieder zum Laufen zu bringen! Zweiter Versuch zu Elvis und Thomas zu kommen, diesmal erfolgreich. ELVIS WE LOVE. YOU! Er hat es tatsächlich geschafft! Wir gaben ihm das Geld für die Teile und den Sprit und bedankten uns mit einer herzlichen Umarmung! Er ist einfach der Beste! :) Jetzt können wir unsere Tour nach Surfers Paradise, Byron Bay etc. doch stattfinden! Heute bringen wir Janik zum Flughafen, der für 10 Tage nach Neuseeland fliegt, Henry ist vor ein Paar Tagen 3 Wochen nach Thailand geflogen, also sind wir ab heute nur noch zu dritt. Morgen geht's für uns los. Wie lange wir wo bleiben und was wir dann machen, wissen wir noch nicht! :)

Dienstag, 3. Dezember 2013

Elvis rettet Thomas!

Was für ein Tag! Nachdem wir den Morgen gemütlich angegangen sind, entschlossen wir uns am Mittag mal in die Stadt zu fahren, ein bisschen Sightseeing und ein paar Erledigungen machen. Der Plan war gut, an der Umsetzung scheiterte es, als wir auf der 8km vorm Ziel auf der Ipswich Road direkt vor einer Autobahnbrücke im Hang stehenblieben. Zum Glück hatten die Jungs einen vollen Benzinkanister im Auto. Wir dachten damit sei das Problem gelöst! Doch Thomas wollte nicht anspringen! Im Endeffekt weitete sich das Problem auf die Zündkerzen aus. Eine war gebrochen und wir mussten sie ausbauen, was auch mit Ach und Krach geklappt hat. Nur hatten wir keine Ersatzkerze dabei, grrr! Gerade wollten wir uns zu Fuß auf den Weg machen und die nächste Werkstatt aufsuchen, als ein Auto hinter uns stehen blieb und Elvis ausstieg! ELVIS, unsere Rettung! Er erkannte das Problem schnell, packte Nils ein und organisierte uns eine neue Zündkerze und baute sie sogar ein. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief gehen! Richtig? Falsch! Denn auch mit neuer Zündkerze wollte Thomas nicht anspringen. Elvis machte ein paar Tests, bis er zu dem Ergebnis kam, dass auch die Zündspule kaputt sei! Düdümm! Heißt also für uns: Thomas bewegt sich heute keinen Zentimeter mehr aus eigener Kraft. Elvis machte den Vorschlag uns Mädels erstmal nach Hause zu fahren, sein Auto zu tauschen und mit einem Abschleppwagen zurück zu den Jungs zu fahren. Dankbar nahmen wir sein Angebot an! Elena und ich gingen etwas zu Essen einkaufen, kochten und warteten ab. Eben gerade kamen die Jungs nach Hause, mit einem Auto?! Ja, Tatsache! Elvis behält Thomas bis morgen bei sich und päppelt ihn wieder auf. Solange leiht uns Elvis eines seiner Autos! Ist das mal verrückt! In Deutschland würde das KEINER machen! We love Elvis! Hoffen wir, dass wir unseren Thomas morgen wieder in alter Frische abholen können! Morgen Mittag treffen wir uns mit Caro & Annika, die überraschend ihren Job verloren haben und jetzt nach Brisbane kommen :( und Simon, den wir aus Cairns kennen! Juhu! Könnte ein cooler Tag werden, sofern nicht wieder etwas unvorhergesehenes passiert... ;)
Thomas in schlechter Verfassung...

Sonntag, 1. Dezember 2013

Roadtrip Part II - Marlborough to anywhere: Brisbane

Rockhampton - Gindoran - Brisbane (665km)

Nach einer guten Stunde kamen die Jungs: Nils, Janik, Henry mit ihrem Van "Thomas Schneider" angetuckert (kein Witz, er heißt wirklich so!). 
Sie sagten wir würden Thomas lieben lernen. Er ist ein Ford, Econovan, 1989 Baujahr, also in seinen besten Jahren! So entstand direkt eine lockere und lustige Atmosphäre noch bevor es wirklich losging. Als all unser Gepäck in Thomas verstaut war, starteten wir guter Laune. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und merkten schnell: Das passt! :) Als der Abend anbrach suchten wir uns einen Rastplatz. Dort hatten wir ein spärliches Abendessen, denn ob ihr es glaubt oder nicht, Elena und ich haben tatsächlich vergessen etwas zu Essen einzukaufen! :D Nach dem Essen packte Nils sein ultimatives Notebook aus und wir schauten ein paar Folgen Scrubs. Das muss man sich erstmal geben! Da sitzt man mitten im Nichts an einer Raststätte, um uns herum die wilde australische Natur und weiß Gott welche Tiere und wir sitzen hier und schauen Serien an! Hatte auch schon irgendwie wieder was cooles! Ein paar Stunden später bauten wir unser Nachtlager auf. Die Jungs schliefen in Thomas, wir durften ihr Zelt + Isomatten ausleihen. Was wir daraus machten? Seht selbst!
Gestern waren wir den ganzen Tag auf der Straße unterwegs und kamen abends bei Putra in Ipswich, Brisbane an. Putra war noch nicht zu Hause, also chillten wir in Thomas, der in Putras Vorgarten auf dem Rasen parkte. Witzig, wie wir da so saßen in einer recht vernünftigen Gegend und wir im Campervan zwischen Sitzpolstern und Backpacks. Dann kam unser Gastgeber und wir freuten uns so richtig wieder bei ihm einzuziehen. Feels like home! :) Putra lud die Jungs ein mit nach drinnen zu kommen. Wir erzählten ihm von unserem Misserfolg in Marlborough und irgendwie mussten wir darüber lachen und 
genossen den weiteren Abend in seiner Wohnung mit Fifa und Plauderei. Heute waren wir schon einkaufen und werden am Abend in die Stadt fahren und gemeinsam BBQ machen! :) In den nächsten Wochen haben wir vor die Gold Coast runterzureisen, Surfers Paradise zu Andy, den wir bei Michael (couchsurfing) kennengelernt und von ihm eine Schlafcouch angeboten bekommen haben, Byron Bay und was es drum herum noch gibt. Cool ist, dass wir jetzt Travelmates kennen, die sich das auch noch anschauen möchten! :)

Freitag, 29. November 2013

Roadtrip Part II - Marlborough to anywhere

Mount Morgan to Rockhampton

Nachdem wir ein paar lustige und entspannte Tage mit Caro und Annika und den verrückten Bewohnern von Mount Morgan hatten (und verrückt sind sie wirklich, denn bereits um 10 Uhr morgens sitzen sie an der Bar und hauen sich Bier und Schnabbo in den Kopf bis zum Umfallen und haben einen riiiesen Spaß dabei, noch mehr, wenn da solche Attraktionen aus einem fernen Land auftauchen!) beschlossen wir aufgrund unserer wiedererlangten Arbeitslosigkeit unseren 2. Roadtrip vorzuziehen. Erste Station sollte Brisbane sein. Über Gumtree haben wir uns einen Lift dorthin organisieren können. Die 3 Jungs haben einen Van, fahren die mehr als 700km bis Brissi allerdings nur mit 60km/h, um Sprit zu sparen. Als Treffpunkt hatten wir uns Mecces in Rockhampton ausgedacht, damit wir von dortaus direkt auf den Highway auffahren können. Nun mussten wir aber erstmal schauen, wie wir wieder nach Rocky kommen. Amanda, die Besitzerin und Witwe, der die Bar und das "Hotel" gehört, in dem wir die letzten Tage verbracht haben, sagte uns, dass hier wohl ein Bus bis in die 40km entfernte Stadt fahren würde, den haben wir aber weit und breit nicht finden konnten. Also gut, ab an den Straßenrand und Däumchen hoch. Tatsächlich hielt nach ca. 10 Minuten ein Mann mit seiner Tochter an, die gerade vom
Fischen kamen. Wir durften unser Gepäck auf das Boot schnallen und stiegen ein. In Gracemere an einer Tankstelle, ca. 15 Minuten von unserem Ziel entfernt, ließ er uns raus. Wir bedankten uns 1000 mal und stellten uns wieder an die Straße. Einige winkten, andere lachten, viele hupten und jubelten uns zu, angehalten hat aber zuerst keiner. Bis Bonita kam und uns fast über den Haufen fuhr, um uns mitzunehmen. Bonita, eine junge Mama von 2 Kindern, 21 Jahre alt. Sie fuhr genau zu unserem Ziel und fragte uns auf dem Weg dorthin aus, was wir tun, wieso wir das tun und war ziemlich fasziniert. Sie wünschte uns ganz viel Glück und Spaß und wir dackelten zum Treffpunkt Mecces, wo wir vor ein paar Tagen erst ankamen, diesmal jedoch in einer weitaus besseren Verfassung! :) Ja und nun sitzen wir hier und werden mit großen Augen angeschaut, bewundert und angelächelt, wie 2 Mädels wie wir es schaffen so viel zu tragen und vorallem warum, denn Backpacker sieht man hier wohl nicht all zu oft. Noch 1h dann geht's weiter! :)

Mittwoch, 27. November 2013

Just another Cinderella Story

Roadtrip Part II - Marlborough to anywhere: Mount Morgan

Noch vor unserem ersten Arbeitstag lernten wir Anne, Tina und Amy kennen. Anne arbeitet hier in der Küche, Tina hat gerade gekündigt und reiste am selben Tag noch ab. "Mädels, ich war 1 Woche hier, mir reicht's, länger hält man es nicht aus!" Zu Anfang dachten wir, sie meint die Umgebung und das langweilige Leben. Amy ist die Tochter von Bill und Doreen, sehr unzugänglich und zickig, dachten wir. Doreen stellte sie uns als ihre lovely daughter vor, diese verrollte nur die Augen, schaute ihre Mutter böse an und schnaubte: "Ich bin nicht deine Tochter!" Wow...was ist denn mit der los?! 
Der nächste Tag - Frühschicht. Meine erste Schicht fing noch recht harmlos an. Doreen scheuchte mich durch die Küche und gab mir Anweisungen. Viel erklärt hat sie dabei nicht und folglich gab es viel zu meckern. Ich hatte nur einen Gedanken: Du bist wegen der Kohle hier, zieh's durch! In den nächsten Schichten entpuppte sich Doreen jedoch als wahres Monster. "Mach das nicht so, mach es anders! Mach schneller, beweg dich! Füll' den vollen Kühlschrank auf! Halt' den Besen nicht mit der rechten, sondern der linken Hand! Wisch' die Vogelscheiße draußen mit demselben Lappen auf, mit dem du das Geschirr spülst und wechsel' nicht das Spülwasser, solange dies und 100 Liter Bleichmittel noch über den Berg aus Essensresten drüberschwappt und das Schweineblut sich farblich noch nicht komplett durchgesetzt hat!" Mal im Ernst, ich arbeitete nicht zum ersten Mal in einer Küche, ich weiß schon, wie man arbeitet und die hygienische Situation in dieser "Küche" sind unter aller Sau! Zudem liebte Doreen es uns beide im Laden vor allen Leuten anzuschreien! Ja, man konnte es ihr einfach nicht recht machen, was der Bauer eben nicht kennt...Bill lies sich gerne mitreisen und maulte auch was das Zeug hielt. Da standen wir mit unseren Putzlumpen in der Hand, unsere Hände halb zerfressen von den vielen Chemikalien, die Nerven lagen blank, aber wir zwangen uns das Ding durchzuziehen! Was würde uns auch übrig bleiben?! Wir sind mitten im Nirgendwo und brauchen das Geld!
Was uns aufmunterte waren die Gäste: Backpacker, Trucker, der Police Officer, der uns an den dicken Chief Wiggum von den Simpsons erinnerte usw., mit denen wir unerlaubterweise immer mal wieder quasselten. In unseren Pausen chillten wir in unserem 9qm Kabuff, saßen draußen herum und beobachteten die Leute und die Kakadus und Papageien, genossen den Sonnenuntergang und warteten auf unseren nächsten Schichtbeginn. Und dann kehrte das Grauen zurück. Jetzt verstanden wir Tina und Amy, unser Bild hatte sich komplett verändert, die Bösen wurden zu den Guten und andersherum.
Als Doreen völlig ausrastete und drohte Elena sie anzurotzen, mussten wir die Notbremse ziehen - wir entschlossen zu kündigen, alles muss man sich ja nicht gefallen lassen! Wir versuchten unsere Gedanken zu sortieren laberten in unserer Pause jeden Backpacker und Trucker an, ob er uns mitnehmen könne, wir hatten Erfolg! Ein Trucker mit abgefaulten Zähnen bot uns an uns mitzunehmen. Jetzt mussten wir nur diesen Schreckschrauben kündigen und unser Geld abholen, sofern sie es rausrücken würden. Leichter gesagt als getan, denn Doreen und Bill stellten sich gegen uns und machten uns richtig fertig! Nach ca. 1 Stunde Demütigung waren wir soweit, dass wir unsere Sachen gepackt hatten und ausgezogen waren, sogar unser Geld in der Hand hielten. Jedoch war unser Trucker nun schon weitergefahren! Also von vorne und jeden fragen, der hier vorbeifährt. Als ein roter Jeep anhielt und 3 junge Aussies ausstiegen, wussten wir, jetzt klappts! Wir lagen richtig! Der Dreadlockman, seine Freundin und sein Kumpel hatten noch genau 2 Plätze frei und nahmen uns bis Rockhampton mit! Sie schalteten die Musik ein und wir konnten uns endlich entspannen! Nach 1h erreichten wir die Stadt und wurden an einem Motel rausgelassen. Ich fragte wieviel 1 Nacht im günstigsten Zimmer kosten würde. Die Antwort ließ mich auf der Achse kehrt machen und mit einem "verdammt-das-hätte-ich-ja-wissen-müssen-Lächeln" verließ ich die Rezeption. Obdachlos? Jawoll! Gott sei Dank erleuchtete uns in Reichweite ein "Goldenes M", der hier bekanntlich 24h geöffnet hat. Wie man dort eine Nacht verbringt, wussten wir ja schon aus Sydney! Mit unserem letzten Akku schrieben wir Caro und Annika, die nur 40km entfernt wohnen und arbeiten, sie organisierten einen Freund der uns abholen würde. Also doch ein richtiges Bett! :) In der Zwischenzeit entertainten wir die Leute im Mecces allein mit unserer Anwesenheit, mit unseren schweren Taschen und unserem Backpackerleben, bis es plötzlich an der Scheibe klopfte: CARO! Wir hätten vor Glück heulen können! Wir fuhren nach Mount Morgen, bezogen unser Zimmer und lernten die Besitzerin des Hotels und sämtliche Stammgäste kennen. Zum einschlafen lief in der Bar System of a down und da wusste ich, es ist wieder alles okay, machte die Augen zu und schlief ein. Heute müssen wir uns Gedanken machen werden wie wir nun weiterkommen. Plan aktuell: Erstmal nach Brisbane trampen, dort können wir ein paar Tage unterkommen und dann weiter die Küste runter und schauen, ob wir auf dem Weg noch einmal Arbeit finden. Ansonsten arbeiten wir erst wieder nach Silvester und leben bis dahin auf Sparflamme.

unser Zimmerchen
Wäsche trocknen mal anders :D
Tila 2.0




nach der ersten Schicht noch recht motiviert
Die Belohnung zum Feierabend

Samstag, 23. November 2013

Marlborough - Die 2 von der Tankstelle

Putra fuhr uns am Freitagmittag in seiner Mittagspause extra in die Stadt zu unserem Bus Richtung Marlborough. Er ist wirklich ein Schatz! Nachdem wir uns verabschiedet hatten suchten wir den Schalter des Premier Bus Services auf. Mist: Gewichtskontrolle! Das kann spannend werden! Erlaubt: 20kg. Tatsächliches Gewicht Lisa: 19,9kg und Elena 20kg! Good job! :) Also rein und 14h Sitzbank drücken! Essen war nicht erlaubt, WiFi gab es leider auch nicht, am besten versucht man zu schlafen, was aber auch nicht unbedingt klappte. Dazu kam, dass wir durch ein superheftiges Gewitter fuhren, es blitzte alle 2 Sekunden und schüttete aus Kübeln! Wir waren froh, als wir mitten in der Nacht heil und "munter" in Marlborough ankamen und uns endlich wieder bewegen konnten! Da waren wir nun, irgendwo im Nirgendwo, 100km entfernt von der nächsten größeren Stadt. Der Busfahrer fragte noch, ob wir hier richtig seinen, wir nickten unsicher und er fuhr weiter. Eine verlassene Tankstelle, kein Licht, alles dunkel. Ein Pickup stand an der Zapfsäule, ebenfalls dunkel aber die Beifahrertür stand offen, wir konnten nicht sehen, ob jemand darin saß. Das einzige Lebewesen, was wir sehen konnten, war eine Katze, die uns um die Beine streifte und aus der Dunkelheit kamen seltsame Geräusche. Nun kam ich mir wirklich vor wie in einem schlechten Horrorfilm! Uns wurde etwas von einem Roadhouse erzählt?! Nachdem wir uns kurz umgeschaut hatten, entdeckten wir um die Ecke einen wellblechverkleideten Caravan, an dem Licht brannte. In Tür 3 steckte ein Schlüssel, so wie es Doreen gesagt hatte. Okay, wir schienen richtig zu sein! Also nahmen wir unser Gepäck und begutachteten unser neues Zuhause für die nächsten 4 Wochen: Ein kleines Zimmerchen, ca. 9qm, 2 Betten, Kühlschrank und Klimaanlage, es muffte ein wenig.
Am nächsten Morgen schauten wir uns die Sache mal genauer an. Auf der Veranda vor unserem Zimmer war eine Leine befestigt, die unter unserem Haus verschwand. Ein Hund? Wir schauten nach: Eine Edelmieze mit stechend blauen Augen und Halsband mit einem großen Metallherz! 
Daneben die Katze von letzter Nacht, die mich stark an meine Tila erinnert. :) Das scheinen hier bei weitem nicht die einzigen Tier zu sein. Mehrere große Vogelkäfige mit Wellensittichen, Kakadus (einer freilebend und bereits an die 90 Jahre alt, wie wir später erfuhren!) und anderen hübschen Federviechern. Der kleine Rasthof ist voll mit tropischen Pflanzen und kleinen Tischchen mit Plastikblumen darauf, überhaupt ist alles sehr kitschig dekoriert. Draußen schraubte ein Trucker an seinem Fahrzeug herum und fluchte lautstark. Drum herum standen ein paar Wohnwagen. Wir gingen in die jetzt recht belebte Tankstelle und lernten Doreen und Bill kennen. Beide schon etwas älter, klein 
und moppelig, etwas zahnlos an der Front aber sehr sehr lieb! Wir setzten uns nach draußen, um uns kennenzulernen. Sie erklärten uns unsere Schichten: 07:00-11:00, 11:00-14:00, 14:00-17:00, 17:00-Ende. Essen und Trinken nehmt ihr euch einfach was ihr braucht! Wuhuhuu, Jackpot! Wir sind im Himmel! :) 4 Wochen Tische abwischen, beim Kochen helfen, Kühlschränke auffüllen, ein paar Trucker und Durchreisende bedienen und dafür limitlos Essen und Trinken + freies Wohnen + Geld für unseren zukünftigen Van, yay! Um Langeweile vorzubeugen trauten wir uns heute nach der Mittagshitze in die "Stadt" zu laufen. Diese besteht aus einem Hotel, einer Polizeistation, einer Ambulanz, einem Museum und einer Bücherei, die an 1 Tag in der Woche für 2-3h geöffnet hat, einem Pool, der als Schwimmbad verkauft wird, einen Pub, sowie einige Wohnhäuser für insgesamt 355 Einwohner, das wars! 


Den General Store haben wir leider nicht gefunden! 

Ihr könnt euch vorstellen, dass wir nur knapp 10 Minuten brauchten, um ALLES gesehen zu haben. Der nächste bewohnte Ort ist rund 35km entfernt, ansonsten gibt es hier tatsächlich weit und breit nichts außer Hinterland. Und uns gefällt's! :) Heute Abend gab es Burger&Chips und Findet Nemo im TV auf's Haus und morgen früh um 7 beginnt meine erste Schicht!
unsere Gäste für die nächsten Wochen: Die Trucker! :)
auf dem Weg in die "Stadt"
das "Krankenhaus"
die Stadthalle und die Bücherei
 das Stadtmuseum

Donnerstag, 21. November 2013

Aus der Traum...oder doch nicht?!

Die letzten paar Tage hier in Brisbane waren eine einzige Achterbahn der Gefühle inklusive mehrfaches Durchlaufen der Stimmungskonjunktur! Erst zogen wir bei Putra ein, soviel Luxus hatten wir schon lange nicht mehr! Er forderte uns auf uns wie zu Hause zu fühlen, was aber gar nicht so einfach war, schließlich kennen wir ihn ja eigentlich gar nicht. 
Jeden Morgen fuhr er uns zur train station, die man zu Fuß in ca 1h erreicht. Er gab uns seinen einzigen Haustürschlüssel und wir gingen los, um uns unseren Job zu sichern. Der erste Tag in unserem Job: Training. Unser Trainer erklärte uns lang und breit alles von der Charity Organisation, was es nur zu wissen gab. Plötzlich fing er an mit uns regelrechtes Schauspieltraining zu betreiben, uns einen vorgeschriebenen Text vorzusetzen und uns abzuhören. Das war nun so gar nicht nach unserem Geschmack. Als wir dann erfuhren, dass wir in unserer ersten Woche Minimum 4 Unterschriften sammeln und damit jeweils einen 2-Jahres-Vertrag abschließen müssten, dämmerte es uns. "Ihr seid die 3 Bewerber, die ich aus rund 30 anderen Mitstreitern ausgewählt habe, aufgrund eurer Einzigartigkeit [blabla] !"
Am nächsten Tag saßen wir im Zug zur Arbeit. Zum ersten Mal war die Stimmung am Tiefpunkt angelangt. Wir haderten mit uns. Wenn wir den Job jetzt hinschmeissen, platzt unser Traum Australien! Wir sind so gut wie pleite und konnten uns gerade noch das Ticket für den Zug leisten, das uns zu unserem Job bringen sollte! Aber andererseits sind wir mit uns selbst nicht im Einklang, wenn wir bewusst Menschen manipulieren, um damit erfolgreich sein zu können!

Manchmal gibt es Momente im Leben, in denen man nur auf eines hören muss: Auf sein Herz! Es war wohl einer der unvernünftigsten Entscheidungen, die wir hier in Australien getroffen haben, wir wussten auch was die Konsequenz sein würde...aber jetzt mussten wir beweisen, dass wir "Arsch in der Hose haben" und das Risiko eingehen! Wir kündigten!

Augenblicklich viel uns eine Last von den Schultern, die mindestens so schwer war, wie das zu groß geratene Kinderspielzeug, in dem wir  gerade saßen! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stiegen wir eine Station früher aus und starteten die Suche erneut, denn das andere Jobangebot, dass wir hatten, war ebenfalls Charity und kam nicht mehr in Frage! Bei Travelbugs, ähnlich wie Peterpans, bekundeten wir unsere missliche Situation. Der nette Mitarbeiter, Patrick, sicherte uns seine Hilfe zu, genauso wie Jamie von der oben genannten Orga. Bis zum nächsten Morgen hörten wir nichts mehr. Da wir kein Geld übrig hatten, um heute "sinnlos" in die Stadt zu fahren, beschlossen wir von zu Hause aus weiter zu suchen, bis plötzlich das Handy klingelte! 
Job Interview bei travelbugs, schwingt euch her! Pamm, das saß! Wie 2 hysterische Teenies rannten wir durch die Wohnung, streiften uns die erstbesten Klamotten über und machten uns auf den 60-minütigen Fußmarsch zur train station, da Putra auf der Arbeit war. Im Endeffekt waren wir 2h später in der Stadt, hatten einen Call mit Doreen und strahlten Patrick bis über beide Ohren an, als wir die Zusage bekamen!!! Ein Roadhouse in der Nähe von Rockhampton, Marlborough, 770km von hier. Die Reise beginnt morgen und 14h später sind wir am Ziel! :) Cleaning, Cooking, Customer Service for free accommodation + free food + wage!

Übrigens: Sowohl die 3. Bewerberin, die mit uns im Training war, als auch der Deutsche Fundraiser, den wir zu Anfang bei seiner Arbeit in der Stadt trafen, haben beide auch gekündigt! :)