Montag, 24. März 2014

Der Indian Pacific

Als wir vorgestern Morgen aus dem Auto krochen, standen wir plötzlich mitten in einer Hochzeitsfeier. Ops! Wir hatten unwissentlich direkt vor einer Kirche geparkt. Alle Leute waren schick angezogen, wie sich das gehört, Krawatten, High Heels und Lippenstift und ich stand da mit verwuscheltem Haar, total verschlafen und barfuß in meinen Schlafklamotten. Irgendwie fand ich das urkomisch! :D Aber wir machten uns lieber schnell aus dem Staub, wir wollten niemanden stören. Zum letzten Mal zusammen frühstücken, diesmal im botanical garden mit Blick über die ganze Stadt. Eigentlich wollte ich dann noch etwas zum Essen für die nächsten Tage im Zug einkaufen, jedoch hatten alle Supermärkte am Sonntag geschlossen...Fair enough! -.- Dann eben direkt zum East Perth Terminal und einchecken! Also folgte nun die Verabschiedung von Jannis. DANKE noch einmal für alles!! :)
Ich bezog meinen Sessel im Red Service des Indian Pacific! Meine Augen leuchteten wie bei einem kleinen Kind! Den Red Service zu finden war bei diesem silberfarbenen Rieseb gar nicht so einfach. 750 Meter und 29 Wagons später erreichte ich mein Abteil. Das ich hier richtig war, konnte ich nicht zuletzt an den Passagieren erkennen. Während in der Gold Class fast ausschließlich Senioren in adretten Kostümen einstiegen, erwartete mich hier ein Pulk von Backpackern und ich sage mal "einfachen Leuten" mit Trolli und Plastiktüten. Das war mir auch gerade recht so. :) 


Ich ließ mich in den gut gepolsterten roten Sessel in dem hellblau verkleideten Raum fallen und ließ die Atmosphäre auf mich wirken. Der Wagon war aufgeteilt in 2 Sitzreihen á 2 Sitzplätze. Glücklicherweise blieb der Sitz neben dem meinem frei, so hatte ich mehr Platz. Wobei Platz hier wirklich kein Problem darstellen sollte. Das Gepäck konnte problemlos im Regal über unseren Köpfen verstaut werden, Beinfreiheit hatte man mehr als genug und einen freien Blick aus dem Fenster. Die Sonne schien mir in's Gesicht. Ich konnte es kaum erwarten, dass der Lokführer den Heizkessel anwirft! Beziehungsweise den kleinen grünen Knopf drückt. Leider ließ der Moment auf sich warten. Grund dafür waren technische Probleme in einem der vorderen Wagons. Carol, eine nette Dame im mittleren Alter und Nightmanagerin unseres Abteils, nutzte die Gunst der Stunde, stellte sich vor und erklärte alles, um eine angenehme Reise zu gewährleisten. Danach drehte sie das Radio an und wir wurden in der Wartezeit mit sanften Tönen von Mariah Carey und ihren Kollegen der damaligen Zeit bei Laune gehalten. Nach 1,5 h Verspätung sprach John, der Lokführer, über Lautsprecher zu uns, entschuldigte sich für die Verspätung. Kurz darauf bewegten sich die Räder auf den Schienen und ganz langsam rollten wir aus dem Bahnhof hinaus. Ich beschloss ein wenig an meinem Buch weiterzulesen. "Frühstück mit Kängurus". Bill Bryson beschreibt Australien, seine Städte, Menschen und Historie sehr gut, sodass ich neben der Unterhaltung sogar noch etwas lernen konnte. Zum
Beispiel verstand ich jetzt die Herkunft der Namengebung vieler Sehenswürdigkeiten, Gewässer und Straßen. Was mich jedoch wundert sind Doppelnamensgebungen. In Sydney gibt es Beispielsweise mehrere Victoria Roads, Victoria Lanes, Victoria Streets, usw. Gab es zu wenige berühmte Persöhnlichkeiten oder ist den Australiern einfach nichts mehr eingefallen? Ist das vielleicht auch der Grund dafür, dass rund 30% der Straßen gar keine Beschilderung haben? Oder es ist um Orientierungsesel wie mich grundlegend zu verwirren? Ich kann euch sagen: Das habt ihr geschafft! 
Plötzlich kam eine Frau in den Wagon, sie steuerte auf mich zu und riss mich aus meinen Gedanken. "Your name is Lisa, right?" Woher wusste sie das?! Was habe ich jetzt wieder angestellt? Ich sah, dass sie etwas schwarzes, ein kleines Säckchen in der Hand hielt. "You left this in your friends' car!" Sie lächte freundlich und übergab mir meine Sonnenbrille. Ich hörte meine Hand gegen die Stirn klatschen. Sie muss mir aus der Tasche gefallen sein! DANKE Jannis!! Da mein Akku leer war, konnte er mich nicht erreichen und beauftragte die nette  Dame mich zu suchen, mit Erfolg!
Ich schaute mich im Zug um. Einige Mitfahrer schliefen, andere lasen oder aßen eine Kleinigkeit. Der Junge neben stapelte sein Kleingeld und zählte es, danach machte er 3000 Fotos von Zug und Landschaft. Besonders fiel mir auch die junge Dame schräg gegenüber auf. Sie las ein Buch und naschte Chips. Meine Nasenflügel begannen zu flattern, die rochen sooo gut. Ich bekam riesige Augen, etwa so wie Pluto, wenn er ein Steak widdert. Als sie wenig später noch Salat, belegte Baguettes und Naanbrot auspackte dachte ich für einen kurzen Augenblick daran A- und B-Hörnchen zu spielen und überlegte, wie ich am geschicktesten etwas stibitzen könnte. Aber ich wollte nicht unfair sein, ich gönnte ihr ihr Glück. Ich aß 3-tagealtes Käsetoast und schaute aus dem Fenster. Wir waren längst raus aus der Stadt. Die Landschaft war ruhig, kleine Berge und Hügel breiteten sich aus, Wälder und kleine Flüße, die sich überall hindurchschlängelten. So verlief der ganze erste Tag. Ich genoss den Ausblick, las, hörte Musik, repeat. Bis es Abend wurde. Ein schöner Sonnenuntergang und schwubs war es dunkel. Die meisten Leute schliefen schon als ich meinen Schlafsack auspackte und die Sitzlehne zurückstellte. Um 11 Uhr wurde das Licht ausgeknippst. Ich war heilfroh meinen Schlafsack bei mir zu haben, denn es war richtig kalt! Mehrmals wurde ich wach, war ganz verdutzt, wo ich denn hier bin, klärte meine Gedanken, sah die ganzen anderen schlummernden Menschen um mich herum, was sehr lustig war, änderte meine Sitzposition und schlief wieder ein. Bis zum Sonnenaufgang. Ganz langsam wurde ich wach und schaute nach draußen. Es hatte sich etwas verändert. Die Landschaft war trockener geworden, die Erde rot und weit und breit keine Zivilisation mehr. Es sah wunderschön und ruhig aus. 
Ich machte mich frisch und zog etwas bequemes an, dann sackte ich wieder in meinen Sessel und wollte etwas frühstücken. Blöd gelaufen! Mein Müsli schien auch noch in Jannis' Auto zu liegen. Ich beschloss noch etwas zu warten und mir später Essen in der Cafeteria zu kaufen. Solange blätterte ich in meinem Neuseelandreiseführer herum und tastete mich daran eine Reiseroute zu planen. Zur lunchtime hatte ich nun wirklich Hunger, ich schaute mal nach, was man hier so essen konnte und entschied mich für eine relativ preiswerte Sausage Roll mit Ketchup im Matilda Café. Dass in der Blätterteigrolle etwas wurstähnliches drin war, wollte ich nicht bestreiten. Aber von welchem Körperteil oder gar welchem Tier konnte ich nicht definieren. 

Hier in der Cafeteria hielten sich viele Leute auf, lasen, tranken Café und unterhielten sich, saßen am Laptop oder luden ihre elektronischen Geräte auf. Ich breitete die neuseeländische Karte auf dem großen Tisch aus und plante weiter meinen 2-monatigen Trip quer über die grüne Insel. 
So sehr war ich darin vertieft, dass ich nicht mal merkte, dass dinner time war. 2 Schweden fragten mich, ob noch Platz an meinem Tisch frei wäre. Natürlich! Wir kamen in's Gespräch. Die beiden kannten sich auch nur aus dem Zug. Der eine war jung, vielleicht gerade 20, Backpacker. Im Übrigen war es der Junge mit dem vielen Kleingeld und der Leidenschaft unnütze Bilder in tausendfacher Ausführung zu schießen. Der andere war Halbschwede, halb deutsch, Sohn eines Kriegskindes, schätzungsweise Ende 40, arbeitet als nurse und schien sehr relaxt. Seine Mama kommt aus Berlin, wuchs im Krieg auf und war ziemlich arm dran, bis sie nach Schweden kam, wo sie aufgepeppelt wurde. Sie ging nach einigen Jahren zurück nach Deutschland, wo es sie aber nicht lange hielt. Seitdem wohnt sie in Stockholm. Er hat eine Tochter, die in Sydney wohnt und nahm sich jetzt eine Auszeit sie zu besuchen und ein wenig mehr von der Welt zu sehen. 
Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, schauten den Sonnenuntergang an, schnackten noch ein wenig weiter bis es Schlafenszeit wurde. Das Licht im Wagon war bereits ausgeschaltet. Ein paar Leute lasen noch mit Nachtlicht, der Rest schlief. Mit offenen Mündern und schnarchend. Ich kam mir vor wie in einem überdimensional großen, langezogenen Wohnzimmer voller Fremder, die allesamt vor dem Fernseher, der tatsächlich natürlich gar nicht existierte, eingeschlafen sind, vielleicht eher ein Kino, dann musste der Film aber ziemlich schlecht gewesen sein. Wie auch immer, alle schienen sich wohlzufühlen, wie Zuhause, und schliefen tief und fest. Ich auch bald. Heute Morgen um 06:00 wurden wir durch eine Durchsage geweckt. In weniger als einer Stunde sollten wir Adelaide erreichen. Das ging jetzt aber schnell! Adelaide, Zivilisation, Handyempfang, Jesus! Das Personal bedankte sich, ebenso wie ich und wir gingen wieder getrennte Wege. Am Bahnhof schaute ich mir noch mal die ewig lange Schlange Wagons an, lunzte mal in den Gold Service rein, um zu sehen was ich verpasst habe, wurde blass vor Neid und ging schnell weiter, dann nahm mich auch schon Sager in Empfang. Mein neuer Travelmate für die nächsten 5 Tage.

Wild Wild West

Um ehrlich zu sein, so wild war der Westen wirklich nicht. Was aber nichts zur Sache tut, dass die Landschaft wunderschön und endlos ist! Jede Menge Nichts, kilometerweit. Aber schönes Nichts. Und selbst dieses Nichts konnte sich verändern, verschiedene Formen und Farben annehmen. Nach jedem Hügel dachte man aber jetzt ändert sich mal was, dahinter kommt was Neues. Fehlanzeige. Hier gab es nichts, keine Zivilisation, keine Menschen, kein Radio- oder Handyempfang, einfach nichts. Man hat so das Gefühl nahezu der einzige Mensch hier zu sein. Alle 200-300k kommt mal ein Roadhouse, sonst passiert nicht viel. Eigentlich wollte ich mir auf dem Weg das Hutt-Königreich anschauen. Ganz verrückte Geschichte! Wusstet ihr, dass indem man dem Land Australien als Bürger den Krieg erklärt ein eigenes Königreich gründen kann? Eben dies haben sich 3 Farmer hier im Westen gedacht, sind mal fix nach Canberra gedüst und haben Krieg angezettelt. Ende vom Lied war, dass die Herrschaften nun ein eigenes Königreich führen mit eigener Regierung, König, Königin, Prinzen und Prinzessinnen, allem Schnick Schack, sogar eigener Währung und eigenen Briefmarken. Diese Australier... Leider lag das Königreich nicht auf unserer Route. Wir fuhren den ganzen Tag durch. Unsere einzigen Pausen waren jene zum Tanken, unser Auto und uns selbst zur lunch und dinner time. 


Buschfeuer...
Zwischendurch sogar mal ein paar überschwemmte Straßen


lunch :) etwas sperrlich...
bestes Roadhouse!
Die Sonne nahm ihren Lauf, der Tag verging, der Highway küsste immer noch den Horizont. Für unser gutes Durchhaltevermögen wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. 
Darauf folgte leider ein heftiges und ewig langes Gewitter! Ihr wisst ja vielleicht wie sehr ich Wolkenbrüche liebe...nicht! Zwar faszinieren mich die hellen, zuckenden Blitze, dennoch habe ich mehr als Respekt vor den Dingern. Und wenn sie in einem 360-Gradwinkel um mich herum schleudern, bin ich kein wirklicher Freund mehr von der Sache. Komischerweise viel dabei fast gar kein Regen und das war schlecht! Warum? Nachdem wir in Port Headland aufgetankt hatten, ließen wir die Stadt hinter uns und folgten weiter dem Highway und fuhren dort durch ein riesiges Buschfeuer! Bei den Temperaturen aber auch kein Wunder...
So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und hoffe es auch kein zweites Mal zu sehen! Die Flammenberge hörten gar nicht mehr auf und erstreckten sich über eine Fläche von zwei, vielleicht sogar drei Fußballfeldern! 
Komischerweise brach hierbei gar keine Panik aus! Lediglich ein Feuerwehrauto konnte ich sichten, dabei standen hier Felder und Strommasten lichterloh in Flammen?! Das war mit Abstand der gruseligste und seltsamste Moment meiner gesamten Reise. 
Wir fuhren weiter und erreichten irgendwann mitten in der Nacht die hübsche Stadt Karratah. 
Hier war es nun schon deutlich kühler und wir konnten uns müde und erschöpft auf dem Parkplatz der Touristeninfo in unser Schlafgemach fallen lassen. Einigermaßen ausgeschlafen kämpften wir uns aus dem gemütlichen Bett und stürmten die Touristeninformation, um dort freies WiFi und die Toiletten zu benutzen. Als ich gerade meine Zähne putzen wollte und den Wasserhahn aufdrehte, staunte ich nicht schlecht, als da plötzlich ein Frosch aus der Leitung gesprungen kam. Wie zum Teufel ist er da herein gekommen? Ich hatte mich so sehr erschrocken, dass ich locker eine halbe Minute regungslos da stand. Als der kleine Kerl durch's Fenster flüchtete, machte ich da weiter, wo ich aufgehört hatte und fragte mich, ob das gerade wirklich passiert war. Frisch und munter suchten wir uns einen schönen Platz zum Frühstücken, den fanden wir auch! :)

mhhh, die unverkennbaren Nasszellen, so macht Duschen doppelt Spaß
Direkt am Meer an einer Sportanlage, übersäht mit Kakadus, die unter den Palmen nach Essbarem suchten. Nach dem Frühstück setzten wir sofort zurück auf die Straße. Stunde um Stunde. Die Landschaft erinnerte mich an die erste Staffel Breaking Bad, überall Wüste, kleine Büsche, alles sehr trocken und sehr verlassen. Hoffentlich stolpert uns nicht gleich Bryan Cranston mit einem Messzylinder über den Weg. ;)
Am Abend erreichten wir Kalbarri. Ebenfalls wieder eine wunderschöne kleine Stadt direkt am Meer. Wir fuhren zum nächsten Lookout und beschlossen genau dort zu übernachten, auch wenn es verboten war. Der Ausblick am nächsten Morgen war einfach unbezahlbar! So könnte man immer geweckt werden: 


Die Sonne kitzelt die Nase, die Augen gehen auf, der Blick schweift aus der Hecktür und man erblickt das markellose blaue Meer, umgrenzt von Sanddühnen und Felsen. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, aßen wir uns auch satt. Selbes Procedere wie die Tage davor, jedoch noch eine Stufe schöner! Weißer Sand und tiefblauer Ozean! 
Wie immer dieselbe Reihenfolge: Frühstücken, baden, duschen und zurück auf den heißen Asphalt! Leider konnten wir uns eine Attracktion auf dem Weg nicht anschauen: Den pink lake. Der war nämlich komplett ausgetrocknet, schade. Dafür stoppten wir an einem anderen wunderschönen Lookout! 
Wir fliegen :)


Also ging es weiter, straight durch nach Geraldton. An einem schönen Fleckchen verließen wir den Highway und schauten uns einen unglaublich schönen Sonnenuntergang an! 







So, 300k left, nix wie los und so erreichten wir Perth am späten Abend! Finally! Jannis wollte hier einen Freund treffen. Auf dem Weg zu seinem Hostel fuhren wir durch die Partymeile. Mein Gehirn ratterte. Wie eine Katze, die versucht einen Laser Pointer zu fangen jagten meine Augen allem hinterher was sich bewegte. Vollkommene Reizüberflutung nach 5 Tagen Wüste! Das Hostel war groß und so cool, mit einer Bar und Bildschirmen in einer großen Sporthalle, wo sich Backpacker Fußballspiele in Liveübertragung anschauten und dazu ein paar Bier genossen. Ich gönnte mir in der Hostelküche stattfessen eine Kartoffelsuppe aus der Tüte (btw: sie war widerlich!), danach saßen wir mit Jannis' Freund und einem weiteren Kumpel aus Italien zusammen und schnackten, bevor wir uns eingestanden, dass es Zeit zum Schlafen war, wir waren total kaputt. Ich schlief sofort ein.

Mittwoch, 19. März 2014

Finally!

Es war Montagmorgen. Heute sollte es eeeendlich losgehen! Ich stand früh auf, denn ich war aufgeregt! Packte meine sieben Sachen und lief zu Basti, um mein Frühstück aus dem Kühlschrank zu holen. Ich wollte noch einmal ordentlich essen, um fit für den Trip zu sein. Nach dem Frühstück wartete ich. Und wartete, und wartete...Ich beschloss Jannis, meinem travelmate, zu schreiben. Keine Antwort. Also rief ich an, erfolglos. Das Handy war aus. Mhh, vielleicht ist der Akku leer? Oder er hat keinen Empfang? Basti und die anderen wollten zum Wasserpark fahren. Ich entschloss mich mit ihnen zu fahren, denn ich musste sowieso abwarten was nun passiert. Etwas besorgt war ich schon. Der Wasserpark hatte nur eine Attraktion, eine riesige, bunte Wasserrutsche, da waren wir doch sofort am Start! Nach ein paar aufgeschürften Ellenbogen, schmerzenden Rippen und abgefahrenen Zehennägeln ruhten wir uns eine kurze Weile auf der Wiese aus, als mein Handy klingelte! Jannis, endlich! Er war unterwegs, hatte nirgendwo Netz, er würde erst am Abend ankommen, starten könnten wir dann morgen früh. Okay, das beruhigte mich trotzdem. Ich musste also nicht bis Perth trampen! :) Um ca. 8 Uhr trudelte er ein, mit Begleitung, die er an einer Tankstelle mitten im Nirgendwo aufgegabelt hatte. Baptiste, ein junger Franzose mit einer beeindruckenden Geschichte! Er ist bereits 12 Monate unterwegs und hat schon nahezu die ganze Welt gesehen. Ohne Geld! Das kam mir bekannt vor, habe ich doch auch einen Freund, der seit 7 Monaten genauso unterwegs ist! Mutig, ich bewundere das! Trampen, schippern, laufen und die Welt entdecken. Wir saßen draußen bei einer gemütlichen Tasse Goon und lernten uns kennen. Dann beschlossen wir, dass es unmöglich sei am St. Patrick's Day nicht feiern zu gehen! Vorher hüpften wir kurz in den Hotelpool und gingen dann wie wir waren in den Irish Pub um die Ecke, wo wir bis in die Nacht feierten. Als Krönung sprangen wir vor'm Schlafengehen noch einmal illegalerweise in den Pool, bis die Security uns entdeckte und wir uns schnell aus dem Staub machten. Erzähle mir nun keiner, dass er das noch nie getan hätte! ;)
Nach 4h Schlaf hieß es wieder aufstehen, Abschied nehmen von Basti und den anderen und auch von Baptiste, der in Darwin blieb. Unser erster Weg führte uns nach Katherine, Zwischenstopp für einen kurzen lunch (!Käsebrot!, da habe ich mir mal richtig was gegönnt, mein erstes seit 6 Monaten! Leute, ihr habt ja keine Ahnung wie gut das war! :D) dann Kununurra, wo wir eigentlich unser Lager aufschlagen und übernachten wollten, da hier aber zu viele betrunkene Abos unterwegs waren, entschlossen wir uns weiterzufahren und kamen dann letztendlich nach 14h Fahrt um 01:00 Uhr nachts am Doon Doon Roadhouse an, bauten das Auto zu einer gemütlichen Schlafkoje um und schliefen sofort ein. Um halb 7 wurde ich davon wach, dass es mich an meinem Rücken kribbelte. Es waren Schweißperlen, die an mir herunterliefen, iew!! Es war einfach jetzt schon so unglaublich heiß! Wir standen auf, frühstückten fix, da uns die hunderten Fliegen auf die Nerven gingen (ist hier im Fast-Outback normal, es lag also nicht an uns! :D), tankten und wuschen uns am Wasserhahn draußen an der Tankstelle und düsten los! :)
ROADTRIP!!!!!!

Stellt euch das einmal so vor: 
Du sitzt auf dem Beifahrersitz eines kompakten 4WD, du weißt schon, die großen Dinger mit der langen Schnautze und dem Metallgestell vorne drauf. Dein Blick schweift durch die Frontscheibe. Die Luft ist klar, mit den Augen verfolgst du den Highway, der sich ohne jegliche Hindernisse und Unterbrechungen geradeaus bis zum Horizont erstreckt, so weit, dass du das Ende nur erahnen kannst. Da heute wieder einmal so ein heißer Tag ist spiegelt sich die Straße kurz bevor sie den Horizont berührt. Den strahlendblauen Horizont, lediglich ein paar federweiche Wölkchen zieren den klaren Himmel. Die Sonne gibt Vollpower, den ganzen Tag. Der Straßenrand besteht aus roter Erde, dahinter saftig grünes Gras, Sträucher und Bäume. Etwas weiter entfernt ragen plötzlich Berge aus dem hohen Gras, braune, rote, schwarze und weiße Felsbrocken, auf denen wiederum Bäume und Sträucher wachsen. Beim genaueren Hinsehen erkennst du, dass einige der Felsbrocken gar kein Gestein, sondern riesige Termitenhügel sind. Hunderte, nein, tausende, vielleicht Millionen dieser Hügel in verschiedensten Formen und Farben erstecken sich über die Weiten der Felder. Du beginnst lustige Dinge in ihnen zu sehen. Gelegentlich entdeckst du zwischen Fels und Grün Rinder und Pferde, die dich ausdruckslos anschauen, sich jedoch nicht weiter um dich scheren. Du als Backpacker bist vollkommen uninteressant, sie sind Vegetarier und finden das saftige Grün wesentlich interessanter. Manchmal stehen sie auch mitten auf dem Highway und denken gar nicht daran den Weg freizumachen! Wer ist hier der Boss? Am Straßenrand sonnen sich Leguane, genießen die Hitze auf dem heißen Asphalt. Papageien und Kakadus fliegen an deinem Fenster vorbei, du bist schneller als sie. Streckst den Kopf noch aus dem Fenster, um sie noch eine kurze Sekunde länger zu sehen, bevor sie im Nichts verschwinden. Ab und zu fährst du über einspurige Brücken, die dich über ausgetrocknete Flußbetten tragen. Ein paar Pfützen sind noch zu erkennen. Alle 30 Minuten erscheint ein schwarzer Fleck am Horizont, der sich in Schneckentempo nähert, jedoch immer wieder in der Spiegelung der Straße verschwindet. Wenn ich von Straße spreche, meine ich damit den Great Nothern Highway, Highway No. 1, der dich in einigen tausend Kilometern nach Perth bringen wird. Der Fleck entpuppt sich Minuten später als Auto, vielleicht ein Campervan oder einer dieser riesigen Road Trains mit über 50 Metern Länge. Beim Vorbeifahren wird kurz die Hand gehoben,man grüßt sich, obgleich man sich noch nie zuvor begegnet ist und sich auch wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr über den Weg laufen wird. Aus dem Radio trällern die perfekten Roadtriplieder aus längst vergangenen Tagen. Dein Travelmate feiert die Situation, fuchtelt mit den Armen durch die Luft, du grinst. Deine Beine liegen auf dem Armaturenbrett, Schuhe trägst du seit Beginn des Trips nicht mehr. Du nimmst einen Schluck aus deiner Lipton-Icetea-Flasche, die du bereits seit 2 Wochen mit dir herumträgst und bei jeder Gelegenheit am Wasserhahn neu auffüllst. Das Wasser hat angenehme 37 Grad, ebenso warm wie die Außentemperatur. Du freust dich über jeden Windzug, der durch deine Haare gleitet. Die Situation ist entspannt, du nimmst tiefe Atemzüge und schließt die Augen. Beim Öffnen brauchst du einen Moment, um zu realisieren wo du bist. 
Du kannst die Sonne verfolgen, wie sie über den Tag hinweg von Osten nach Westen wandert, um dort hinter einem Hügel zu verschwinden. Sie hinterlässt ein kleines Present und färbt den Himmel in atembraubenden Rot-pink- und Orangetönen. Du grinst wieder. Eigentlich grinst du die ganze Zeit, denn nichts und niemand kann dich hier erreichen und aus der Ruhe bringen. Der farbenfrohe Abendhimmel wird von der Dunkelheit überwältigt und in ein tiefes Schwarzblau getaucht. Helle, weiße, funkelnde Punkte, Klitzersteinchen erscheinen am Himmelszelt, einer davon besonders hell, der Mond. Er erleuchtet mit seinem Schein die groben Umrisse der australischen Wüste. Die glänzenden Pünktchen formen sich zu Sternbildern. Du versuchst dich an jene zu erinnern, die dir damals in deiner Kindheit im Zeltlager gezeigt wurden, natürlich vergebens. Erinnere dich, du bist am anderen Ende der Welt.

Gestern Abend erreichten wir Broome und damit waren wir endlich zurück am Meer. Also nichts wie raus aus dem Auto und ab an's Wasser! Es tat so gut, der feine Sand unter den Füßen, das kühle Salzwasser, eine laue Brise. Wir entschlossen uns, dass wir unmöglich im Auto schlafen könnten! Es war noch über 30 Grad warm und so stickig, darum legten wir uns einfach auf die Wiese direkt sm Strand, so wie wir waren, ohne Decke oder Schlafsack, denn campen war verboten, und schliefen ein. Eigentlich wollten wir uns in den Sand legen, dann wurden wir aber vor Salzwasserkrokodilen gewarnt, soviel wollten wir doch nicht riskieren! Der Rasen tat es auch, das heißt bis Mitternacht. Wir lagen ganz gemütlich da und schlummerten, als plötzlich die Rasensprenger angingen! Ich stand noch nie so schnell wieder auf den Beinen! :D Muss ein lustiges Bild gewesen sein. Heute Morgen frühstückten wir mit Meerblick, kühlten uns im Ozean ab, duschten und dann ging es wieder auf die Straße, Kilometer fressen! :)

Montag, 17. März 2014

Das Warten hat ein Ende

Nach einer grandiosen Performance am St. Patrick's Day geht's jetzt zurück auf die Piste! 4.000k in 5 Tagen? Challenge accepted! 

Samstag, 15. März 2014

Zurück auf die Überholspur

So meine lieben Leute, ich bin wieder im Spiel! Westenreise und Outback sind gebongt! :) Jannis, mein Travelmate für Western Australia hatte gute Neuigkeiten, der Motor ist ausgetauscht, er ist wieder auf der Piste, allerdings 2.500km entfernt. Heißt für mich noch bis Montag warten, aber dann geht's endlich los! :) Ich freue mich wie ein Schnitzel wieder on the road zu sein! Zwar ist die Zeit nun wirklich sehr knapp, aber das ist mir eigentlich egal. Nach unserem Roadtrip nach Perth entspanne ich dann 2 schöne Tage im Indian Pacific und werde am 25. von Sager, einer jungen Schwedin eingesammelt, um das Outback unsicher zu machen. 6 Tage später, nachdem ich die Flinders Ranges, Coober Pady, Kings Canyon, Ayers Rock (Uluru) und Alice Springs bestaunt habe, fliege ich zurück nach Melbourne, hole mein restliches Gepäck ab, auf das ich mich tatsächlich jetzt schon freue! und ziehe am Tag darauf weiter nach Neuseeland. Hier konnte ich mir zum Glück schon eine Couch für die ersten Tage organisieren, danach heißt es Campen, bei Wind und Wetter, könnte interessant werden...Nunja. Bis Montag gilt es sich jetzt also die Zeit zu vertreiben. Gestern war ich mit Marco, einem Backpacker, mit dem ich über Gumtree in Kontakt gekommen bin, im Litchfield Nationalpark, dem kleinen Bruder vom bekannten Kakadu Nationalpark. Eigentlich bin ich vollkommen ohne Vorstellung bei einem Wildfremden in's Auto eingestiegen. Eigentlich witzig, in Deutschland würde man doch nie auf die Idee kommen mit irgendjemandem, den man gar nicht kennt, in irgendeinen Nationalpark, der gut 100km entfernt ist, zu fahren. Hier aber schon, und es hat sich gelohnt! 




















Heute Nacht schlafe ich dann zum letzten Mal in Bastis Auto, dabei habe ich mich gerade daran gewöhnt. Ob blutige Schlägereien auf dem Parkplatz, wildgewordene Abos oder mitternächtliches Supergewitter mit Platzregen, da war immer was los.